Interview mit dem Veranstalter vom „Rottlicht“-Fest im Westend
„Don’t call it Straßenfest“
Illustration: R15
Rotzig, doch mit hochwertigem Programm: Flugblätter für das Rottlicht-Fest. Illustration: R15
Rotzig, doch mit hochwertigem Programm: Flugblätter für das Rottlicht-Fest.

Am kommenden Samstag, den 26. Oktober, wird die Rottstraße in der westlichen Innenstadt gesperrt. Grund: Ein vielfältiges Kunst- und Mitmach-Programm auf der Straße im Rahmen des „Rottlicht“-Festes. Mit der Rottstraße verbinden einige das erfolgreiche Off-Theater mit der Hausnummer 5, manche einen Teil des Offline-/Kreativ-Viertels Bochums, die meisten aber wohl Sexshops und Peepshows. Dazu passt dann ja auch der Name der Festes. Veranstalter Martin Zöpel versichert allerdings, dass es ein jugendfreies Fest wird. Die :bsz sprach mit dem Besitzer der Kneipe R15, der das Potential des Viertels ins Licht der Öffentlichkeit rücken will.

:bsz Martin, viele denken bei der Rottstraße ja eher an verrufene Gewerbe wie die Peepshow und den Sexshop in der Straße. Jetzt kommst Du und willst familienfreundliche Kunst, Literatur und Unterhaltung auf die Straße bringen. Wie verträgt sich das?

Martin Zöpel: Life Erotica und die Peepshow Miami waren lange vor mir da. Die gehören ja auch nicht in die Hardcore-Puff-Kategorie. Die Rottstraße teilt sich in zwei Gruppen: Die Alteingesessenen und die Zugezogenen, die in der Rottstraße wohnen wollen, weil es hier eben lockerer und rotziger zugeht. Zunächst – und ein wenig immer noch – blickte man argwöhnisch auf die jeweils anderen, aber wer bin ich denn, die Alten zu vertreiben? Ich will ja auch hier bleiben. Es geht um das vielfältige Miteinander.

Und dieses Miteinander hoffst Du mit dem Fest erreichen zu können? Wie ist die Idee zum Rottlicht entstanden?

Ein zwangloses Zusammenleben in der Rottstraße und Bochum ist wichtig, und weil es gerade da noch Handlungsbedarf gibt, veranstalten wir dieses Fest. Es freut mich sehr, dass wir tatsächlich auch eine ganztägige Vollsperrung der Straße erreichen konnten; das zeigt, dass sich was tut im Kreativquartier – auch von städtischer Seite. Wir wollen damit auch die Anwohner der Straße ansprechen, denn viele von ihnen wissen gar nicht, dass sie in einem ausgewiesenen Kreativquartier wohnen.

Seit ich vor drei Jahren das R15 aufgemacht habe, habe ich die Idee eines solchen Festes, das die Vielfalt dieses besonderen Bezirks vereint. Bereits letztes Jahr haben wir was Ähnliches auf die Beine gestellt. Auch dabei stand schon der Dialog darüber im Vordergrund, wie man zusammenlebt. Zum Beispiel sollte jeder eine für seine Kultur typische Speise mitbringen, damit man sich kulinarisch austauschen kann. Leider war die Diakonie dann alleine mit ihrem Essen da.

Gibt es diesmal einen neuen Anlauf für die Lebensmittelbörse oder ein neues Konzept?

Es ist schwer ein Straßenfest – Don’t call it Straßenfest! – zu konzipieren, das allen Anwohnern gerecht wird. Darum gibt es neben Literatur, Musik und Kunst ein breites Mitmach-Programm. Es gibt eine Gewürzkennenlernaktion, Jonglage und eine Mixed-Martial-Arts-Vorführung, die zeigt, dass man Frust und Aggression abbauen kann, ohne sich und anderen zu schaden. Es wird ein virtuelles Radrennen geben und einen Flohmarkt. So abgedroschen es klingt: Ich denke, wir haben für jeden etwas dabei.

Wer steckt hinter der Idee und der Organisation? Was sind das für Menschen, die das Programm auf die Beine stellen?

Die Idee enstand im Kontext des R15 und des Integrationsbüros Plan B. Die Rottstr5-Galerie macht auch mit. Die meisten Leute, die mitmachen, sind eben Gäste des R15, junge Künstler und Künstlerinnen. Leute, die das Format zeitgenössischer Kunst begriffen haben. In der Kneipe ist das Projekt einfach gewachsen, Interessierte gibt es da ja genug.

Natürlich habe ich auch noch Hilfe bei der Planung. Eine Bekannte half mit den ganzen Anträgen bei der Stadt, der Comicladen Little Nemo als neuer Nachbar ist dabei und auch die Rottstr5-Projektgalerie.

Obwohl die Erotikbetriebe nicht aktiv am Programm beteiligt sind, heißt das Event „Rottlicht“. Was steckt dahinter?

Die Rottstraße wird einmalig visuell verändert und das nach langen Diskus­sionen schnell abgerissene Hotel Eden wird angestrahlt und projiziert. Dafür sorgen zwei Lichtkünstler; Thomas Zehnter hat sich da auch schon einen Namen gemacht.

Rottlicht steht zwar auch für Rotlicht, aber eben auch für Rottstraße und Licht – beleuchten, erleuchten und damit erkunden. Habt Mut einfach mal eine Tür aufzumachen und Euren Stadtteil, Eure Stadt zu erforschen!

Neben anderen wird wohl einer der bekanntesten Bochumer Autoren der Gegenwart, Frank Goosen, eine Lesung geben. Der würde doch total viele Leute zum Fest locken. Warum werbt Ihr nicht groß mit ihm?

Damit die Leute nicht den Eindruck haben, eventuell dieses eine Event verpasst zu haben, sondern damit sie sehen, dass es sich immer lohnt, in der Rottstraße vorbeizuschauen, bei der Party und auch sonst. Die systemkritischen und die populären Inhalten zugetanen Leser und Leserinnen – jeder wird hier was finden, was ihn interessiert.
 

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