Das Bernsteinzimmer in Bochum
„Warum ist nicht alles schon verschwunden?“
Bild: CC0
Symbolbild

Das ist der Titel einer neuen Ausstellung im Kunstmuseum Bochum, welche am 3.Dezember eröffnet wurde.

Thematisch bietet diese Ausstellung keinen alleinstehenden Konsens, sondern richtet sich an mehreren Eckpunkten aus. Die sieben Künstler:innen und ihre Werke behandeln verschiedene Zugänge zum Verschwinden, Übersetzungsversuche, Wiederholung, Zeitloops, Gewalt und Körperlichkeit. Daran ist erkennbar, wie vielschichtig diese Ausstellung ist und dass die Besucher:innen immer wieder in eine neue Energie und Möglichkeiten gerufen werden, mit denen sie auf eine individuelle Art umgehen können. Das hat einen besonderen Charakter, da Ausstellungen oftmals an einem Thema, einer Epoche oder einem:einer Künstler:in teilhaben lassen wollen. 

Diese erste Zusammenarbeit des Kunstmuseums Bochum und Situation Kunst beherbergt einiges aus dem Nachlass von der Künstlerin Ingeborg Lüscher. Dazu zählt das sogenannte „Bernsteinzimmer“, welches den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet. Es knüpft an das historische Exemplar des Preußischen Königs Friedrich I. an. Geschaffen ist die Installation aus Sole-Seife, welche als Kommentar auf den Prunk des Originals gelesen und gedeutet werden kann. Das Bernsteinzimmer wird als das verschollene achte Weltwunder gesehen. 

Nicht alle Werke in der Ausstellung sind von dieser haptischen Installationskunst. Chantal Akerman ist eine Experimentalfilmerin und in dem Werk „La Chambre“ selbst zu sehen. Doch es sind noch weitere Installationen in der Ausstellung beheimatet, wie die von Silvia Bächli, die mit „Rotes Zimmer“ ein Liniengebilde darstellt, welches unsere eigene Verortung hinterfragt. Zudem sind packende Schwarz-Weiß-Fotomontagen von Zofia Kulik zu betrachten, die vielseitig ansprechend sind.

Für wen ein Besuch des Kunstmuseums nichts ist, der:die kann sich im Casablanca Kino in Bochum trotzdem ergötzen. Hier gibt es vier Filmvorführungen von Chantal Akerman, Ingeborg Lüscher, Joëlle Tuerlinckx und Laure Prouvost zu sehen. Dann kann ein Mensch zwar nicht die Werke von Silvia Bächli, Alexandra Bircken und Zofia Kulik betrachten, aber man kann sich entspannt zurücklehnen und cineastisch an der Kunst teilhaben. 

:Lukas Simon Quentin