Pilotphase der Theaterflatrate für RUB-Studis gestartet
500 Veranstaltungen für einen Euro
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Ein „Schauspielhaus-Euro“: Für diesen Betrag können die Studierenden der RUB für ein Semester die Schauspielhaus-Flatrate nutzen. Foto: koi
Ein „Schauspielhaus-Euro“: Für diesen Betrag können die Studierenden der RUB für ein Semester die Schauspielhaus-Flatrate nutzen.

Endlich ist sie da: Die sogenannte Theater-Flatrate. Seit diesem Semester können Studierende der RUB sooft sie wollen Vorstellungen im Bochumer Schauspielhaus besuchen – für lau! Finanziert wird dies über den Sozialbeitrag, den (so gut wie) jedeR Studierende zum Semesterbeginn überweist. Von diesen 260,62 Euro geht ein Euro an das Schauspielhaus, das knapp fünf Prozent seiner Plätze für Studis freihält. Im Januar stimmen die Studis ab, ob diese Kooperation auch in den nächsten Semestern aufrecht erhalten wird.

„Bochum ist eine Stadt der Bildung und Kultur“, sagte Anselm Weber, Intendant des Schauspielhauses Bochum, bei einer Pressekonferenz. Damit spielte er auf zweierlei an: Zum einen auf die Bedeutsamkeit einer Kooperation zwischen der fünftgrößten Universität NRWs und dem zweitgrößten Theater bundesweit; und zum anderen auf das „internationale Stadtprojekt und Kunstfestival in Bochum“: „This is not Detroit“. Während die Stadt in Michigan, USA, wegen der Krise von General Motors regelrecht vor die Hunde geht, sieht die Situation hier anders aus; die Schließung der Opel- Werke ist zwar bitter, doch Bochum ist eben nicht Detroit, denn diese Stadt hat Zukunft. Und mit dieser wollen sich KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen (auch das eine Verbindung zwischen Uni und Theater) aus Europa und den Staaten im Rahmen von „This is not Detroit“ befassen. Es stehen Ausstellungen, Aufund Vorführungen im Schauspielhaus und in der ganzen Stadt an.

Herbert Grönemeyer und Johnny Cash in Bochum

Ebenfalls lokalen Bezug hat – der Titel deutet es dezent an – das Singspiel „Bochum“ mit Stücken von Herbert Grönemeyer, das am 6. Oktober uraufgeführt wurde. Dabei ist es nur eines von 18 Stücken, die in der aktuellen Spielzeit Premiere feiern. 25 weitere Stücke sind weiterhin im Programm. Das Repertoire auf den drei Bühnen des Theaters umfasst in dieser Spielzeit Klassiker wie Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ oder ganze vier von Shakespeares Dramen, aber auch aktuelle Stücke über Johnny Cash und aktuellstes Material, dessen Titel bei Drucklegung des Programmheftes noch nicht einmal feststanden.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und das Schauspielhaus zeigten sich bei der Pressekonferenz sichtlich erfreut über die Kooperation. Sebastian Marquardt (NAWI), ehemaliger Öffentlichkeitsreferent, betonte, dass der AStA damit seinem Kulturauftrag nachkomme. Das Flatrate-Modell sei die beste Lösung für studentisches Ausgehverhalten. Zudem sei, ergänzte der AStA-Vorsitzende Tim Köhler (Jusos), das Solidarprinzip eine optimale Lösung „für Studierende, die sich sonst einen Theaterbesuch nicht leisten könnten.“ Auch das Theater profitiert von der Kooperation – immerhin sind so Einnahmen in Höhe von gut 38.000 Euro halbjährlich gesichert; und, so die Pressesprecherin des Schauspielhauses, „die Studiederenden und SchülerInnen von heute sind die Zuschauer von morgen.“ Am 8. November sind alle Studis zu einer Begrüßungsparty mit Happening im Rahmen der „Spätschicht“ in der Evebar im Schauspielhaus eingeladen.

Theater überall und in Zukunft umsonst?

Im Januar kommt es zu einer Urabstimmung. Dann werden alle Studis der Uni gefragt, ob sie auch in Zukunft einen Euro in die Theaterpauschale investieren wollen. Zeitgleich findet auch die Urabstimmung über das Studi-Angebot für das Leihradnetz metropolradruhr sowie die Wahl zum Studierendenparlament statt.

Traditionell umsonst ist übrigens das studentische Theater im Musischen Zentrum (MZ) auf dem Campus. Hier finden regelmäßig Aufführungen der zahlreichen engagierten Theatergruppen von der Uni statt. Was es auf der Studiobühne in diesem Semester zu sehen gibt, wird Euch die :bsz in der kommenden Ausgabe vorstellen.

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Wie funktioniert die Theaterpauschale?

Sobald der Vorverkauf startet, können sich Studierende der RUB, bis drei Tage vor der Vorstellung eine Karte reservieren lassen. Diese kann dann bis 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn mit einem gültigen RUB-Studiausweis abgeholt werden, sonst verfällt die Reservierung. Die Karten sind nicht übertragbar. Alternativ kann man auch eine halbe Stunde vor der Aufführung spontan im Schauspielhaus vorbeischauen: Dann nämlich sind alle noch verfügbaren Karten für Studierende ebenfalls für umme zu haben.

Für diejenigen, die ihre Karten lieber reservieren wollen, hält das Theater ein gewisses Kontingent an Karten bis drei Tage vor der Vorstellung exklusiv für Studis zurück: 40 für den großen Saal des Schauspielhauses, 12 für die Kammerspiele und vier für das Theater unten. Das entspricht jeweils zwischen vier und fünf Prozent der Gesamtkapazität.

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