Abtauchen in die Welt der Bücher
Auf der Frankfurter Buchmesse
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Das georgische Alphabet: In der Ausstellung des Gastlandes wurden die Buchstaben als Skulpturen, auf denen Zitate aus der georgischer Literatur standen, dargestellt.  Bild: mag
Das georgische Alphabet: In der Ausstellung des Gastlandes wurden die Buchstaben als Skulpturen, auf denen Zitate aus der georgischer Literatur standen, dargestellt.

Literatur. Die 70. Frankfurter Buchmesse machte ihrem Ruf wieder alle Ehre: Mit einem bunten Programm, das sich um Themen wie den Deutschen Buchpreis, Georgien oder den Berufseinstieg drehte, zeigte die Messe, dass Literatur noch nicht vom Aussterbern bedroht ist. Stattdessen wird die Vielfalt und die Chancen der deutschen Buchbranche thematisiert.

Einmal im Jahr pilgern Bücherwürmer, Leseratten und Bibliomane nach Frankfurt. Hier geht es fünf Tage lang nur um eins: Um die Welt der Bücher. 285.024 Besucher*innen kamen dieses Jahr vom 10. bis zum 14. Oktober zu der größten Buchmesse in Deutschland. Die ersten drei Tage sind den Fachbesucher*innen vorbehalten und drehten sich hauptsächlich um Vernetzung und Austausch. An dem Wochenende war die Messe dann auch für die lesebegeisterte Öffentlichkeit zugängig. Doch welche neuen Erkenntnisse, Highlights und Möglichkeiten bot die Buchmesse 2018?

Von Preisen und Politik

Vor der Buchmesse wurde die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises, mit dem der Roman des Jahres geehrt wird, bekanntgegeben: Inger-Maria Mahlke erhält den begehrten Literaturpreis für ihren Roman „Archipel“. Auf der Buchmesse war sie daher eine begehrte Gästin und beliebt bei dem Publikum. Im Gespräch mit Sandra Kegle von der Frankfurter Allgemeine Zeitung gesteht sie: „Es hat mich etwas überrollt.“ Noch könne sie die letzten Tage nicht fassen und müsse nach der Messe erstmal über die Ereignisse nachdenken. In ihren Romanen ist sie besonders interessiert an der Bedeutung der Wörter. „Unter der Sprache liegt eine wahre Sprache“, meint die Autorin. So bedeute die Bezeichnung „wie ein Bogen gespannt sein“ mehr als nur Anspannung. Denn das Spannen eines Bogens sei eine fließende Bewegung und nicht starr. Und somit kann man in den Wörtern mehr lesen als man auf dem ersten Blick erkennen kann.
Dass Literatur auch immer wieder politisch ist, wurde bei verschiedenen Gelegenheiten deutlich. Zum Beispiel als Stephan Thome über seinen Roman „Gott der Barbaren“ spricht, das auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Obwohl die Handlung in der Mitte des 19. Jahrhunderts spielt, thematisiert sie eine Sache, die heute genauso aktuell ist: das Fremdheitsgefühl. „Fremdheit ist nichts schlechtes oder verwerfliches“, so der Autor, „es ist normal.“ Doch wichtig sei es, in der Fremdheit etwas Gemeinsames zu finden. „Barbaren sind immer die anderen“, erklärt er. Und somit seien es vielleicht alle?

Traumjob gesucht

Auch an die Zukunft der Buchbranche wurde gedacht, indem es für den Nachwuchs, speziell für Studierende, besondere Events gab. Bei der Veranstaltung „Volontariat – Berufseinstieg in die Buchbranche“ wurde erklärt, was wichtig ist, wenn man durch ein Volontariat in die Arbeitswelt der Buchbranche eintauchen möchte. Christin Nase, Leiterin der Abteilung Presse beim Knesebeck Verlag, betont vor allem das Selbstbewusstsein, das Volontär*innen zeigen sollten: „Volontariat ist das, was Du daraus machst.“ Wenn man nach etwa drei Monaten einen guten Einblick in die Arbeit bekommen hat, dann sollte man einfordern, selbst aktiv mitgestalten zu können. Bei den Einforderungen ist auch das Gehalt wichtig. Viele Volontariate laufen unter dem Mindestlohn. Das findet Kim-Marie Philipp, die im Vertrieb arbeitet, nicht in Ordnung: „Durch den Master oder den Bachelor habt Ihr Euch schon für den Beruf qualifiziert. Daher wäre diese Bezahlung nicht angemessen. Fordert das aktiv ein!“ Schon direkt nach der Zusage, so geben die beiden Frauen den Ratschlag, sollte man Dinge wie eine angemessene Bezahlung oder auch Fahrtkosten zur Arbeit einfordern. Nur so könne was geschehen.


In Kontakt treten

Mehr Selbstbewusstsein empfiehlt auch die Studentin Elisabeth. Sie geht auf der Messe einfach zu den Verlagen und fragt nach einem Gespräch. „Es ist immer einfacher, wenn man schon persönlich in Kontakt getreten ist“, erklärt die Master-Studierende für Verlags- und Handelsmanagement an der HTWK Leipzig. Darum nahm sie auch an dem Speedmeeting teil, das von Studierenden des Studiengangs Buchhandel/Verlagswirtschaft der HTWK Leipzig organisiert wurde. Studierende konnten sich in einem zehnminütigen Gespräch bei verschiedenen Unternehmen wie dem Hanser Verlag vorstellen und mit ihnen in Kontakt treten. Caroline studiert im Master Modernes Japan in Düsseldorf und wollte sich auf der Veranstaltung über die verschiedenen Berufe und Möglichkeiten des Berufseinstiegs informieren. „Mir wurden direkt Vorschläge gemacht, wie ich nach meinem Abschluss vorgehen kann, zum Beispiel durch ein Volontariat. Es war sehr hilfreich“, meint die Studierende, die nun einige Ideen hat. Das Konzept des Speedmeetings kam sowohl bei den Studierenden als auch den Arbeitgeber*innen gut an. Auf der Leipziger Buchmesse, die vom 21. bis zum 24. März 2019 stattfindet, wird es dieses Angebot daher wieder geben.

Oh du schönes Georgien

In jedem Jahr wird der Literatur eines anderen Landes ein besonderer Platz auf dem Messegelände eingeräumt. 2018 war Georgien das Gastland. Im Forum fanden unter dem Motto „Georgia – Made by Characters“ Lesungen georgischer Autor*innen, Veranstaltungen rund um Georgien und Ausstellungen statt. In der Installation „The Hub of Emotions“ wurde die besondere Sprache und Emotionen Georgiens thematisiert. Man begab sich in einen viereckigen Raum, auf jeder Wand wurde das Gesicht eines*r georgischen Schriftsteller*in projiziert, die die menschlichen Grundregungen zeigen. Durch einen Sound wird die Sprache als atmosphärische Melodie spürbar gemacht. Die eindrucksvolle audiovisuelle Atmosphäre zeigt die Besonderheiten der georgischen Kultur. Im nächsten Jahr ist das Gastland Norwegen. Das Motto lautet dabei „The dream we carry“. Dann werden wieder zahlreiche Menschen nach Frankfurt strömen, um sich über einen wichtigen Teil unserer Kultur auszutauschen: die Literatur.

:Maike Grabow

 

Archipel
Der Roman spielt auf den kanarischen Inseln. Die Autorin Inger-Maria Mahlke verwendet dabei eine besondere Erzählmethode, indem sie die Geschichte rückwärts erzählt. Rosa kehrt 2015 zu ihrem Großvater Julio auf Teneriffa zurück. Der Familienroman rückt nicht nur ihr Leben in den Mittelpunkt, sondern auch das von Julio, der im Bürgerkrieg kämpfte und Gefangener der Faschist*innen war. Wie ein Archäologe erfährt der Lesende nach und nach seine Geschichte und welche Bedeutung zum Beispiel das Radfahren hat.
Inger-Maria Mahlke „Archipel“, Rowohlt Verlag, 432 Seiten, 20 Euro.
 

 

 

Gott der Barbaren
In dem Roman von Stephan Thome geht es um die christliche Aufstandsbewegung des chinesischen Kaiserreichs in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Beruhend auf historischen Tatsachen wird geschildert, wie durch gegenseitige Arroganz und Inakzeptanz ein Bürgerkrieg entstehen kann. Der „Meister der Dialoge“, wie Thome gerne genannt wird, versteht es, den historischen Stoff gekonnt mit fiktiven Figuren zu vermischen, sodass ein historischer Roman mit aktuellen Themen wie Fremdenhass entsteht.
Stephan Thome „Gott der Barbaren“, Suhrkamp Verlag, 719 Seiten, 25 Euro
 

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