Frauenpower im Kinosaal
Braucht die Welt weibliche Superhelden?
Bearbeitung: mag
Von Harley Quinn über Jean Grey bis Invisible Woman: In der Comicwelt haben sie eigene Geschichten und Hefte, doch im Kinosaal erhalten sie bisher nur selten eine eigene Bühne.	   Bearbeitung: mag
Von Harley Quinn über Jean Grey bis Invisible Woman: In der Comicwelt haben sie eigene Geschichten und Hefte, doch im Kinosaal erhalten sie bisher nur selten eine eigene Bühne.

Kommentar. Mit „Captain Marvel“ kommt ein neuer Film in die Kinos, der einen weiblichen Superhelden in den Mittelpunkt rückt. Eine Untersuchung darüber, ob man mehr von solchen Filmen braucht und warum Superheldinnen bereits existieren.

Captain Marvel, Wonder Woman, Catwoman, Black Widow oder Scarlet Witch. Weibliche Superhelden in Comics gibt es schon lange. In der Filmbranche tauchten sie bisher meistens nur am Rande auf. Doch zwischenzeitlich gibt es immer wieder Filme, die die Heldinnen einzeln in den Blick nehmen: „Catwoman“ (2004), „Wonder Woman“ (2017) und jetzt eben „Captain Marvel“. Auch ein Film über Black Widow hat Marvel Studios geplant. Doch brauchen wir Superheldinnen?

Nichts beweisen

Natürlich sagt man im ersten Reflex „Ja!“, doch dass man dies etwas differenzierter betrachten muss, bemerkt man beim weiteren Nachdenken. Man sagt „Ja“, weil es so viele Filme über männliche Superhelden wie Iron Man, Thor oder Superman gibt und im Vergleich dazu sehr wenige mit Frauen. Dabei stehen die weiblichen Helden den männlichen in nichts nach. Sie sind genauso tough, stark, witzig und actionreich. Auch „Captain Marvel“ reiht sich in die Reihe der Marvel-Filme nahtlos ein. Es ist erfreulich, dass anscheinend das Interesse der Rezipient*innen auch bei Action-Filmen, die eine Frau in den Blick nehmen, da ist. Denn egal ob Mann oder Frau. Die Welt retten kann jede*r mit den richtigen Mitteln.
Doch ist der Ansatz richtig, dass man Superheldinnen-Filme fordert, weil sie genauso gut wie die von den Männern sein können? Und dann sehen wir einen Film wie „Captain Marvel“, der genau  die gleiche Machart hat wie alle Marvel-Filme. Dies war auch bei „Wonder Woman“ nicht anders. Wir sollten lieber nicht die gleichen Filme fordern, sondern andere – aber eben mit Frauen. Eigentlich trifft es Captain Marvel gut, als sie am Ende des Films sagt: „Ich muss nichts beweisen“. Und wir Frauen müssen nicht beweisen, dass wir als Superheldinnen in Filmen genauso gut auftreten können wie männliche. Eigentlich müssen wir niemanden etwas beweisen. Denn es ist klar, dass Frauen die gleiche Power, Kraft und Stärke wie die Männer besitzen. Wie wäre es, wenn mal eine Superheldin statt gegen Aliens gegen die Unterdrückung der Frauen und für die Rechte der Frauen kämpft?

Real existierende Heldinnen

Doch Heldinnen sollten nicht nur in Superheld*innen-Filmen gesucht und gefunden werden. Warum sollte man etwas nachmachen, wenn man etwas anders machen kann? Wer würde sich nicht mal über einen Film freuen, in dem die Heldin eine tiefgründige Figur ist, ausgefeilte Dialoge und eine wichtige Message hat, für die sie einsteht und die sie verteidigt. Das schließt nicht nur Action-, sondern auch alle anderen Filme ein. Ein Märchenfilm, in dem die Prinzessin vom Prinzen gerettet werden muss? Das ist veraltet. Ein Märchenfilm, in dem sich ein Mädchen mit Mut und Selbstvertrauen allen Gefahren stellt, ist zeitgenössischer. Ebenso wie Filme mit nicht nur fiktiven Charakteren. In der Welt gibt es genug real existierende Heldinnen wie Ellen Johnson Sirleaf, Maren Kroymann, Greta Thunberg oder Judith Butler.
Also nein, wir brauchen keine weiblichen Superheldinnen, die in der gleichen Machart auftreten wie die männlichen Hauptfiguren. Eine Aktualisierung
ist notwendig.                                 
:Maike Grabow

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