Ab Frühjahr in Dortmund: Museum für Heimcomputer zeigt die Geschichte eines Hobbys
Brotkästen, Relais und Datasetten zum Anfassen
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Der Daddelkisten Urgroßmutter (hier im Computerspielmuseum in Berlin): Die 1972 erschienene Magnavox Odyssee konnte im Prinzip nur drei Bildpunkte darstellen, für den Rest der Grafik mussten „analoge“ Spielfelder herhalten.      Foto: mar
Der Daddelkisten Urgroßmutter (hier im Computerspielmuseum in Berlin): Die 1972 erschienene Magnavox Odyssee konnte im Prinzip nur drei Bildpunkte darstellen, für den Rest der Grafik mussten „analoge“ Spielfelder herhalten.

Manchen leuchten die Augen, wenn sie Spielfiguren sehen, die aus 128 Pixeln bestehen. Jedes zweite Indie-Spiel setzt heute auf Pixelgrafik und die Tauschbörsen für alte Computer und Spielekonsolen werden auch immer zahlreicher. Grund genug, ein Museum für die Geschichte der digitalen Vergnügungen in diesem Frühjahr zu eröffnen. Das Binarium zeigt die Geschichte unserer digitalen Kultur.

„Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt“, soll IBM-Gründer Thomas J. Watson 1943 gesagt haben. Im Binarium will Museumsgründer und Computersammler Christian Ullenboom ab Frühjahr allein 200 verschiedene Heimcomputer ausstellen. Hinzu kommen 250 Konsolen und Telespiele. Zudem werden auf den 2.000 Quadratmetern in der alten Zeche Hansa in Dortmund-Huckarde Taschenrechner, PDAs (kennt noch jemand diese Vorgänger der Smartphones?), sowie einzelne Hardwarekomponenten, Bücher und natürlich Software zu sehen sein.

Die Urahnen von „Call of Duty“

Die zwei Etagen werden thematisch unterschiedliche Schwerpunkte behandeln: Während es oben um die technische Entwicklung von den ersten Rechenmaschinen über Heimcomputer wie den Commodore 64 (auch kurz C64 oder wegen seiner Form Brotkasten genannt) hin zu unserem von Mikrochips beherrschten Alltag geht, steht im Erdgeschoss das Spiel im Mittelpunkt.

1972 kam mit dem Magnavox Odyssey die erste Spielekonsole auf den Markt. Fünf Jahre später erschien der Atari 2600, der sich weltweit rund 30 Millionen Mal verkaufen sollte. Heute besitzt jeder dritte Haushalt in Deutschland eine mobile oder stationäre Spielekonsole.

Zwischen Bewahrung und Erlebnis

Das Binarium verfolgt vier Ziele nach dem sogenannten BEFU-Prinzip, das viele Museen anwenden: Bilden, erhalten, forschen, unterhalten.

Inwieweit man die Exponate ausprobieren und in die Retropixelwelt eintauchen kann, ist noch nicht bekannt. Mechanische Geräte wie Joysticks verschleißen bei Gebrauch; magnetische Datenträger wie Datasetten oder Disketten können Informationen verlieren. Ein Behelf wären Emulatoren, Programme, die alte Computer auf neueren simulieren – eine Methode, die das Computerspielmuseum in Berlin anwendet.

:Marek Firlej

Infobox

Wann das Binarium eröffnet, steht noch nicht genau fest. Wir halten Euch auf dem Laufenden. Bis dahin kann man sich vorzüglich an folgenden Stellen mit Retrospielen beschäftigen:

„Stay Forever“: In diesem Podcast unterhalten sich die beiden Spieleexperten Gunnar Lott und Christian Schmidt (beides ehemalige Chefredakteure der PC-Spielezeitschrift „Gamestar“) über alte Spiele – eloquent, intelligent und alles andere als objektiv. www.stayforever.de

„Killerspiele – Der Streit ­beginnt“: Eine ZDFinfo-Doku über die Gewalt-in-Games-Debatte. Nicht erst seit dem Amoklauf von Erfurt 2003 werden Computerspiele kontrovers diskutiert. youtu.be/V5MEf-BsnpA

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