Wie gesellschaftliches Engagement funktioniert
Das Sprachrohr der ArbeiterInnenschaft
Foto: box
Im Dachverband DGB finden die Einzelgewerkschaften ein gemeinsames Sprachrohr. Foto: box
Im Dachverband DGB finden die Einzelgewerkschaften ein gemeinsames Sprachrohr.

Ein Aufruf zum Klassenkampf erreicht heutzutage wenige. Der gesellschaftlichen Spaltung liegt dennoch ein Widerspruch zugrunde: Sobald Menschen im Rahmen eines Arbeitsvertrages in ein Beschäftigungsverhältnis treten, sind sie verpflichtet, ihre Arbeitskraft weisungsgebunden zur Verfügung zu stellen. Gegen Entgelt. Auch Arbeitsbedingungen, Arbeitsrecht, Versicherungspflicht und so weiter  müssen zwischen ArbeitgeberInnen und -nehmerInnen verhandelt werden. Zu diesem Zweck gibt es repräsentative VerhandlungspartnerInnen, welche die Interessen beider Seiten vertreten: Gewerkschaften und ArbeitgeberInnenverbände. Im Falle der Verhandlungen um den TV-L 2017 (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder) stehen die Gewerkschaften der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) gegenüber. 

Wofür wird sich außerdem eingesetzt?

Neben der direkten Interessenvertretung der ArbeitnehmerInnen durch Tarifverhandlungen oder rechtlichen Beistand setzen sich Gewerkschaften aktiv für ein funktionierendes Miteinander ein. Bildungsarbeit und -politik sind wesentlicher Bestandteil gewerkschaftlichen Engagements. Saida Ressel, Jugendbildungsreferentin des DGB Ruhr-Mark, betont, dass Chancengleichheit sowie „Antirassismus, eine gerechte und demokratische Welt- und Wirtschaftsordnung und die Aufhebung jedweder Ausbeutung und Unterdrückung“ zu den Leitsätzen und Zielen der Gewerkschaften gehören.

Breites Spektrum

Die Gewerkschafts-Landschaft ist an dem breiten Spektrum beruflicher Festlegungen orientiert. Während die GEW alle möglichen Bildungsberufe in den Bereichen Schule, 

Kita, Wissenschaft und so weiter vertritt, versammelt etwa ver.di Berufe im Dienstleistungssektor. Die Einzelgewerkschaften organisieren sich in sogenannten Dachverbänden. Neben der größten Dachorganisation von Einzelgewerkschaften, dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), koordinieren der dbb (Beamtenbund und Tarifunion) und der Christliche Gewerkschaftsbund (CGB) gewerkschaftliche Arbeit. „Der DGB ist die Stimme seiner acht Mitgliedsgewerkschaften gegenüber den politischen Entscheidungsträgern“, erklärt Saida Ressel. „Als Dachverband schließt er keine Tarifverträge ab“. Größte Gewerkschaft im DGB ist die IG Metall. 

Selbst aktiv werden!

Über Workshops, Weiter- und Fortbildungen, Gedenkstättenfahrten, aktive Teilnahme an Podiumsdiskussionen und politischen Veranstaltungen sowie zentralen Streiks und Demonstrationen befördern Gewerkschaften eine Beteiligung am gesellschaftlichen Diskurs. Aktiv werden könne man „in den Hochschulgruppen, dem Ausschuss der jungen GEW auf Landes- und Bundesebene sowie dem Ausschuss der Studierenden auf Landes- wie Bundesebene“, erklärt Rike Müller aus dem SprecherInnen-Team der jungen GEW. Vor dem Hintergrund eines umfassenden Bildungsauftrages sensibilisieren Gewerkschaften für alle gesellschaftlichen Themen. Sollte dieser Auftrag eines Tages erfüllt sein, lässt sich vielleicht auch der Klassenkampf wieder aufnehmen.  

:Marcus Boxler