In God We Trust“: Gottloser Comic zeigt des Herrn wahres Gesicht
Denn Dein sei die Lächerlichkeit in Ewigkeit
Avant-Verlag
Grober Unfug: Ein Undergoundcomic wider den Dogmen.

Da hat sich der französische Comic­zeichner und -autor Winshluss („Pinocchio“) aber keine leichte Aufgabe vorgenommen. Die Bibel als Comic nacherzählen – neu ist diese Idee nicht. Aber mit einer gehörigen Portion Respektlosigkeit und Grobität schafft der Underground-Künstler mit „In God We Trust“ eine Kurzcomicsammlung, die, mal absurd, mal an der schmerzhaften Wahrheit schrappend, über Kirche, Glaube und Religion herzieht.

Durch die eher lose zusammenhängenden Episoden (also der Form der Bibel folgend) führt ein saufender Heiliger als Engel, St. Franky. So weit, so unlustig. Die Nacherzählung des Buches Genesis hält auch keine neuen Gags bereit. Gott mörtelt die Erde im Blaumann zusammen, die Schlange dreht Pornos. Alles Underground-Comic-Humor der plumpen Sorte, alles schon gesehen. Zum Glück bieten 73 Bücher der Bibel und 2.000 Jahre Kirchengeschichte noch weitaus mehr Angriffsfläche. Die nutzt der Franzose auch gnadenlos aus.

Lasst ihn blödeln, das ist Underground!

Zwar bedient Winshluss ein klein wenig zu oft die „Gott ist auch nur ein ganz normaler Alki und Vater“-Schiene. Aber dazwischen stechen die drolligen Absurditäten und bissigen Satiren in besonderem Glanz hervor. Niemand weiß, warum Conan der Barbar plötzlich Moses auf dem Weg ins gelobte Land beisteht, aber es ist gut, dass er es tut. Sonst hätte der dreigehörnte Riesenaffe das Volk Israel verspeist.

Die alte Kundengewinnungsmethode der Kirchen, mit der Hölle zu drohen, zieht heutzutage nicht mehr. Warum? Wir sind dem Feuer und den Flammen fremd geworden. Es muss eine lebensnahe Hölle her. Die Vorstellung, für alle Zeiten in einer Hotlinewarteschleife zu stecken oder bis in alle Ewigkeit mit einem Rechten diskutieren zu müssen – das schreckt die Leute heute!

Die Einseiter sind die Höhepunkte des Buches. Da lernt man, was der Neoliberalismus mit Homosex zu tun hat und was römische Löwen am liebsten fraßen. Intellektuelle Satire neben spätpubertärem Fäkalhumor – Klasse, so müsste jedes Medium aussehen!

Winshluss:
„In God We Trust“
 
Avant-Verlag, 2016
104 Seiten, 29,95 Euro

 

:Marek Firlej

 

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