Kunst und Popcornkino: Filmkultur im Ruhrgebiet
Die Entdeckung der Vielfältigkeit
Foto: sweet Sixteen
Das Dortmunder Sweet Sixteen: 2014 zum vierten Mal für sein herausragendes Jahres- und Kinderfilmprogramm ausgezeichnet. Foto: sweet Sixteen
Das Dortmunder Sweet Sixteen: 2014 zum vierten Mal für sein herausragendes Jahres- und Kinderfilmprogramm ausgezeichnet.

Der Pott hat neben seinen Theatern noch mehr zu bieten: Kinokultur. Wer Filme nicht in Konsumpalästen großer Kommerzhaie sehen will, findet hier im Ruhrgebiet Elysium. Und das auch ohne 3D-Brille zu fairen Preisen. Urig samtige Filmsäle, engagierte Initiativen und liebevoll hergerichtete Spielstätten auf Vereinsbasis sind eure Alternativen. Wir machen eine Tour.

5 … 4 … 3 … 2 … 1 … SKF. An der Ruhr-Uni geht’s los mit der Einführung in die Kinolandschaft des Potts. Der Studienkreis Film (SKF) ist eine der ältesten studentischen Filminitiativen. Gegründet wurde er 1966 und bietet seitdem Studierenden ein regelmäßiges Filmangebot. Nicht nur die Preise (2,50 Euro zuzüglich. einmalig SKF-Karte 1,50 Euro) überzeugen, sondern auch die Filmqualität. Die neueren und älteren Streifen werden mittels des noch jungen 4K-Beamer vorgeführt. Und wenn Du Kino liebst, Du Lust hast dich zu engagieren, dann schau im Büro des SKF vorbei (HZO 21 – Dienstag und Donnerstag ab 17 Uhr).

Bermuda3Eck

Mit der U35 fahren wir von der RUB zur Haltestelle Rathaus und von dort aus über die Kortumstraße Richtung Bermuda3Eck. Bevor Ihr im Bermuda3Eck ankommt, wird Euch als Erstes das klein wirkende Bofimax auffallen, das im Stil der 80er und 90er gehalten ist. Genauso wie im Union Kino, das Ihr im Wust der Restaurants der Konsumstraße findet, erwarten Euch im Inneren die aktuellen Blockbuster. Wer sich also die neusten Streifen wie zum Beispiel „Fifty Shades of Grey“, „Chappie“ oder „The Voice“ angucken will, ist dort richtig.

Barrierefreie Filmjuwelen

Übersehen werden sollte jedoch nicht das Casablanca, das sich (in der Nähe des Rewe) zwischen den Lokalen versteckt. Hier findet Ihr so manches Filmjuwel, das zwar Oscarnominierungen oder die Goldene Palme bekam, aber für den Mainstream nicht geeignet ist. Zum Casablanca, dessen Titel uns an Humphrey Bogard und Ingrid Bergman erinnert, gehört das Metropolis, das seinen Eingang im Hauptbahnhof hat. Wie im SKF werden auch im Kino des HBF Filme im Originalton (zum Beispiel Englisch) vorgeführt. Hinzu kommt, dass mittels „GRETA“ und „STARKS“ ein barrierefreier Kinobesuch geboten wird. Hierbei handelt es sich um Apps, die Seh- oder Hörbeeinträchtigten Untertitel oder Audiodeskriptionen anbieten.

Endstation Dortmund

Von Bochum geht es mit der S-Bahn nun in Richtung Dortmund. Vorher machen wir allerdings noch einen Halt in Langendreer. Das gemütliche Endstation-Kino beim Bahnhof Langendreer zeigt ein breites Repartoire an Spielfilmen sowie Dokumentationen, die man sonst nicht zu Gesicht bekäme. Unsere Kinoreise hat ihre Endstation in der Dortmunder Nordstadt. In der Camera und im Roxy bekommt Ihr ein urig samtiges Filmvergnügen geboten und den jüngsten Filmspielort der Stadt: Das sweet Sixteen. „Bei uns steht nicht die kommerzielle Auswertung eines Films im Vordergrund, sondern die Vermittlung von Filmkultur – zusammengefasst: engagiertes Kino in der Dortmunder Nordstadt.“

:Alexander Schneider