Alles außer Kellnern: Die :bsz-StudiJob-Reihe – Stripperin
Die Schönheit als Kapital
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Bildung ist sexy! Etwa 20 Prozent aller Stripperinnen sind Studentinnen – sagt Ina, die sich ihr Studium in einer Tabledancebar finanziert. Foto: mar
Bildung ist sexy! Etwa 20 Prozent aller Stripperinnen sind Studentinnen – sagt Ina, die sich ihr Studium in einer Tabledancebar finanziert.

Sie ist jung und schön. Dass Studis jung sind, ist der Regelfall, auch attraktive Exemplare soll es geben. Auch dass Ina* bis lange in den Tag hinein schläft, unterscheidet sie nicht von vielen ihrer KommilitonInnen. Bei Ina hat das aber einen Grund: Sie arbeitet bis morgens um fünf – als Stripperin.

Ina ist 26 und studiert zwei geisteswissenschaftliche Fächer an einer Ruhrgebietsuni im 13. Semester. Dass sie über der Regelstudienzeit liegt, stört sie nicht. Zum einen arbeitet sie seit fünf Jahren drei bis vier Mal die Woche die ganze Nacht in der Tabledancebar; während andere ihre Veranstaltungen besuchen, holt sie ihren Schlaf nach. Zum anderen ist sie finanziell unabhängig und kann sich ein mußevolles Studium leisten. Wie viel sie verdient, will sie nicht verraten – mit einem Grinsen lässt sie aber durchblicken, dass es wohl mehr ist, als ein „normaler“ Studijob einbringt.

Dafür muss sie aber auch Diskretion bewahren. In der Zeitung stehen muss sie damit nicht unbedingt; wenn sie jemand fragt, den oder die sie nicht einschätzen kann, sagt sie, dass sie in der Gastronomie arbeite. „Die meisten Studenten aber gehen offen damit um, viele finden meinen Job interessant und cool“, erzählt sie. „Manche sagen höchstens, dass sie nicht wollten, dass ihre Freundin als Stripperin arbeitet.“

Kein Problem mit dem Freund

Zwar ist Ina derzeit Single, in ihrer mehrjährigen letzten Beziehung war der Job aber kein Problem. „Nur unsere Arbeitszeiten sind oft kollidiert, da konnten wir nicht viel unternehmen.“ Doch grinsend fügt sie hinzu: „Dafür habe ich in der Umkleide, wenn keine Gäste da waren, schon halbe Seminararbeiten auf der Arbeit geschrieben.“

„Ich finde nix Unmoralisches an dem, was ich tu“, sagt sie. „In anderen Berufen verkaufen die Menschen ihren Körper ebenfalls, werden aber schlechter bezahlt.“ Sie führt beispielhaft handwerkliche Berufe an, in denen nicht der Mensch zählt, sondern nur seine körperliche Leistung.

Auf ihren Körper reduziert zu werden, ist für sie kein Problem. Die meisten GästInnen aber machen ihr nicht nur Komplimente für ihr Aussehen, sondern auch für ihre Bildung – das Flirten mit den GästInnen und gepflegter Smalltalk gehören zum Job wie das Tanzen.

Immer sauber bleiben!

Auch wenn Frauen aus dem Ausland zum Strippen nach Deutschland kommen, findet Ina das nicht schlimm. „Wenn sie sich dann ein Haus kaufen können, wofür sie in ihrem Heimatland ihr Leben lang schuften müssten, warum nicht?“ Tatsächlich sind, so erzählt Ina, wohl die Hälfte der in Deutschland arbeitenden Stripperinnen Frauen aus Tschechien. Das findet sie absolut okay, wiederholt sie, solange sie nicht die Preise für die deutschen Frauen drücken, wie das in der Prostitution oft der Fall sei. Doch davon hält sie sich ohnehin fern.

Wenn Ina in anderen Clubs in Deutschland tanzt („In Süddeutschland verdient man eben mehr als im Ruhrgebiet“, sagt sie), dann nur in „sauberen“ Clubs, also ohne angeschlossenes Bordell. Auch gebe es viele Tänzerinnen, die Drogen nehmen. „Aber die sind da meiner Meinung nach falsch in diesem Beruf und sollten ihr Leben überdenken.“

:Marek Firlej

* Name von der Redaktion geändert

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