„We trust!“-Playground-Festival in Bochum: Alles, was Spaß macht
Die wollen doch nur spielen!
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„Ein Kanake sieht rot“: Sulaiman Masomi las am Sonntag aus seinem Buch. Foto: Frost Fotografie
„Ein Kanake sieht rot“: Sulaiman Masomi las am Sonntag aus seinem Buch.

Alte Videospiele, Graffitti, Carrera-Bahn, Rap, Poetry Slam und Turngeräte: Was haben all diese Dinge gemein? Sie sind Produkt von oder Werkzeug für Kreativität – und sie machen Spaß, beeindrucken oder unterhalten. Und sie waren neben einigen anderen Programmpunkten Bestandteil des „We trust!“-Festivals (Playground Edition), das vom 26. bis 29. Juni in der Rotunde in Bochum stattgefunden hat.

Den Anfang machten nach der Eröffnung und dem an diesem Donnerstag obligatorischen Fußballgucken („USA – Schland“) Jan Röttger & Friends. Der junge Wuppertaler wirkt bei seinen Ansagen ganz schüchtern, doch wenn er und seine Freunde zu außergewöhnlich frischen und doch eingängig groovenden Liedern ansetzen, ist er Musiker mit voller Seele, mit Talent und Können.

Ganz andere Klänge erschallten am Freitag aus den Hallen des alten Katholikentagsbahnhofs zwischen Riff und Bermuda3eck: Melted Moon, Tronimal und Tom Woxom sind Größen in der Chiptunes-Szene, die sich in Bochum viel zu selten ein Stelldichein geben. Die Musiker zaubern aus oberflächlich so primitiven Geräten wie einem Game Boy abgefahrene moderne Melodien im nostalgischen Klanggewand.

Allein diese musikalische Bandbreite lässt erahnen, dass es den VeranstalterInnen darum ging, ein Festival zu veranstalten, das einfach Spaß macht. Gerrit Nicolas Rütter, der zusammen mit den Brüdern Albert (vom KünstlerInnenkollektiv „Trust in Wax“ aus Münster) und Peter Ruppelt (­donkey-gaming­.de) hinter der Veranstaltung steckt, erklärt, die drei wollten machen, worauf sie „Bock haben“. Also habe man in „Schubladen gekramt“ und KünstlerInnen eingeladen, die man kennt und die man toll findet.

Ganz bestimmt keine ordinäre Abendveranstaltung

Und das ganz zu recht, wie sich am Sonntagabend bei der „Zwangsversteigerung“ zeigte: Da wurden Graffiti, Gemälde, Zeichnungen und Collagen unter die Leute gebracht, die bereit waren, bis zu 200 Euro für ein Werk zu zahlen. Doch auch wer nicht als MäzenIn auftrat, kam bei der Auktion auf seine Kosten: Der Hannoveraner Poetry-Slammer Tobias Kunze wusste, wie man selbst so eine Verkaufsveranstaltung rockbar machen kann. Ganz im Sinne der VeranstalterInnen, denn was sie ganz bestimmt nicht wollten, war eine „ganz gewöhnliche Abendveranstaltung“.

Es geht darum, die Leidenschaften zu fördern, die im Kinderzimmer entstanden sind und irgendwann zu elaborierten – oder auch verrückten – Hobbys geworden sind. Sei es nun, ob man angefangen hat, an seinem Game Boy rumzuschrauben, mit Worten zu spielen oder mit Farben. Damit könne man auch scheitern, erzählt Nico Rüter, das gehöre dazu. „Aber wir glauben an diese Ideen“, sagt er. Dieser Glaube hat in „We trust!“ ein Label bekommen und mit dem Festival einen Ort, ihn auszuleben.

Live und vor Ort, flüchtig und dauerhaft

Die Installation des Münsteraner Künstlers Oliver Breitenstein, eine große Carrera-Bahn, ist leider nicht mehr zu sehen, andere Kunstwerke sind dafür nun Teil der Rotunde geworden. Der Antwerpener Spraykünstler Dzia hinterließ unter anderem an einer Wand und den Eingangstüren großformatige Kunstwerke, sein ebenfalls flämischer Kollege KreaShit schuf mit Lacken und Farben eine Markennamen-Parodie an der Wand.

Programmpunkte wie der Auftritt von Sulaiman Masomi lassen sich natürlich nicht in der Rotunde verewigen. Weil das ganze Wochenende aber so viel Spaß gemacht hat, bleibt es nicht bei dem einen Mal: Das nächste „We trust!“-Festival findet im Februar in Dortmund statt. Vertraut uns!

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