Was für ein Land steckt hinter den Sympathieträgern der EM?
Diese Titel sind Island sicher
Foto: Michael Kopec
Ein echtes Wahrzeichen: Die Island-Ponys. Foto: Michael Kopec
Ein echtes Wahrzeichen: Die Island-Ponys.

So ernsthaft hat niemand damit gerechnet, dass die Fuppes-Außenseiter von der atlantischen Vulkaninsel die Mannschaft des Gastgeberlandes Frankreich schlagen würde. Allerdings stand schon während der Vorrundenphase fest: Island ist Europameister der Herzen. Solche sportlichen Erfolge sind glücklicherweise immer wieder Anlass, sich mit eher unbekannten Ländern und Kulturen auseinanderzusetzen.Wir erklären knapp (und nicht immer ganz objektiv), welche Titel Island noch für sich beanspruchen kann. Dass auf der Insel nicht immer alles rosig ist, zeigt unser Gastautor Dirk Loose. 

Konservativste Sprachpolitik

Hier schlägt das nordische Land das vielgeschmähte Frankreich. Das Isländische hat sich seit der Wikingerzeit kaum verändert. Und damit das auch so bleibt, sorgt das dortige Sprachinstitut dafür, dass Fremdwörter ihre isländische Entsprechung bekommen. So wird aus dem Panzer der „Skriðdreki“ (wörtlich „kriechender Drache“) und aus dem Computer die „Tölva“, die „Rechenhexe“.

Umweltfreundlichste Energieversorgung

Die vulkanische Aktivität der Insel sorgt dafür, dass die meisten ihrer BewohnerInnen für Heizung und Warmwasser keine Energie verbrauchen müssen. 340 Grad heißes Grundwasser wird aus der Erde gepumpt und erreicht die Haushalte mit einer Temperatur von 60–90 Grad Celsius. Unterwegs sorgen die Leitungen für eisfreie Straßen.

Geschmacklosester Cartoonist

Als Absolvent der isländischen Kunstakademie hat der Cartoonist Hugleikur Dagsson einen radikal minimalistischen Stil. Was seinen Strichmännchen an Details fehlt, macht er mit Geschmacklosigkeit wieder wett. Über Dialoge wie diesen kann nicht jedeR lachen: Vor dem Altar fragt der Priester: „…  und willst du diese Frau …“ – „Klaro! Aber dafür krieg ich ordentlich einen geblasen! Verstehen wir uns?“

Am heftigsten abgehende Live-Band

Musikalisch hat Island mehr zu bieten als Björk. Sigur Rós  ist seit einigen Jahren auch hierzulande vielen Menschen ein Begriff und ebenfalls Sólstafir treffen mit ihrer Musik den Post-Rock-Trend. Aber keine Band geht auf der Bühne so heftig ab, dass die Leidenschaft ins Publikum schwappt und das es mit Tanzdrang erfüllt, wie die Psychedelic-Rocker The Vintage Caravan.

Höchste LiteraturnobelpreisträgerInnen-pro-Einwohner-Dichte

Kein anderes Land hat pro EinwohnerIn so viele LiteraturnobelpreisträgerInnen hervorgebracht wie Island. 1955 erhielt Halldór Laxness die schwedische Auszeichnung – das macht einen Preisträger pro 334.300 Menschen. Um das zu toppen, bräuchte Deutschland noch 235 weitere dieser Auszeichnungen zu den bisherigen zehn.
 
:Markús Jósepsson
 
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