Beim Dortmunder Bierfest gab es nicht nur Gebräu nach dem Reinheitsgebot
Ein be-rauschendes Fest
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So kann man Bierkultur auch zelebrieren: Ein Biersommelier, stilsicher mit Fliege und einem Braustammbaum. Foto: mar
So kann man Bierkultur auch zelebrieren: Ein Biersommelier, stilsicher mit Fliege und einem Braustammbaum.

Ein Fest zu Ehren des erhabenen Elixiers: Dortmund feierte um den Tag des deutschen Bieres (23. April) herum ein Wochenende lang das Festival der Dortmunder Bierkultur am U. Unser Redakteur Marek stürzte sich am Samstag ins Getümmel, um sich zu berauschen – an einem tollen Fest, versteht sich.

20:13 Uhr, Bochum Hbf. Der RE 1 nach Dortmund hat Verspätung, aber das macht nichts. Mein Freund Daniel und ich zelebrieren Dortmunder Bierkultur bereits im Zug. Es erklingen unsere Hansa-Pils-Flaschen beim Anstoßen. Das Wegbier ist das Ziel.

20:25 Uhr, Dortmund Hbf. Weithin sichtbar ist das U als großes Bier illuminiert. Wie es sich gehört, schließlich ist das Reinheitsgebot an exakt diesem Tag des deutschen Bieres 500 Jahre alt geworden. Alle Zeichen sind also auf Bier gestellt. Abgestellt hingegen werden unterwegs unsere Hansapullen.

20:36 Uhr, Park der Partnerstädte. Ein kurzer Witz: Läuft Marek an einem Bierausschank vorbei. (Das war auch schon der Witz, hihi.) So war es auch diesmal. Wie ferngesteuert peilen Daniel und ich den ersten Container an und sind entzückt. Ausgeschenkt wird hier in 0,2-Liter-Plastikgläsern ab zwei Euro. Auch mit schmaler Brieftasche gibt es also Geschmackskarussell. Erst wollen wir zur Berliner Scheiße greifen (einem Braunbier mit Waldbeeren), entscheiden uns dann aber für die Sorten Bommen & Granaten (Bomben & Granaten) und Hel & Verdoemenis (Hölle & Verdammnis) aus dem niederländischen Brauhaus De Molen. Weil wir so heftige Rocker sind. Oder weil uns die je rund 11 Umdrehungen überzeugt haben.

Der Geschmack von Emscherstrand

21:05 Uhr, anderer Stand. Hülsmann Bier aus Wanne-Eickel, eine wiederbelebte Traditionsmarke, und GE-Bräu aus – woher wohl? – stehen an. Man mag es süffig nennen, oder mild. Oder Plörre, wie ein Bekannter sagt. Man trifft viele Leute hier. Später soll aber noch ein Hülsmann-Doppelbock aufgetrieben werden, der in die für diesen Biertyp charakteristische Malzigkeit noch gekonnt leckere Würze hineinspielt.

21:18 Uhr, Platz direkt vorm U. Hier sind Sitzgelegenheiten aus Europaletten aufgebaut. Modernes Craft-Beer-affines Understatement. Leider sitzt da niemand, denn es ist der kälteste 23. April seit ich denken kann (und dieses Datum merke ich mir!). Zur abwechselnd rockigen und elektronischen Musik bewegen sich einige Gestalten und entgehen so der Kälte. Wir sind im U, weil wir tun, was getan werden muss, wenn viel Gerstensaft fließt. Daniel stellt fest: „Und ich dachte, Festival-Dixis wären eklig!“

Starkbiere helfen gegen Zeitgefühl

22 Uhr irgendwas, einige Biere später, irgendeine Bierbank. Der Arrogant-Bastard ist gut, rechtfertigt aber nicht seine Arroganz. Ganz anders Bochumer Bodenständigkeit: Der Fiege-Sommerhopfen ist eine Offenbarung an Frische und Geschmack!

Nach 23 Uhr, S-Bahn nach Hause. Die Dortmunder Marken hat es auch gegeben auf dem Fest. Brinkhoffs, DAB, Thier, Union, Kronen, sogar Stifts. Nur eine Marke muss sein Billig-Image wahren und zu Hause bleiben. Oder vielmehr am Kiosk auf uns warten; es erklingen unsere Hansa-Pils-Flaschen beim Anstoßen. Das Wegbier ist das Ziel.

   :Marek Firlej

 
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