Feminismus, aber Intersektional!
Feminismus + Anti-Diskriminierung = Gleichberechtigung
Bild: CC0

Nobody ever helps me into carriages, or over mud-puddles, or gives me any best place! And ain’t I a woman? Look at me! Look at my arm! I have ploughed and planted, and gathered into barns, and no man could head me! And ain’t I a woman?

Sojourner Truth, Schwarze versklavte Frau, wird mit ihrer Rede Ain’t I a Woman?aus dem Jahr 1851 bekannt. Dabei äußert sie ihre Kritik, dass sich die Frauenbewegung mit ihrer Forderung auf Frauenwahlrecht nur auf weiße Frauen beschränkt. Unterschiedliche Lebensverhältnisse macht sie für die gehobene Klasse sichtbar und fordert einen gemeinsamen Kampf. Truth brachte die facettenreiche Art an Diskriminierung und Unterdrückung zum Vorschein. Eine Verbindung zwischen Rassismus, Sexismus und Klassismus wurde zum ersten Mal hergestellt. Es war der Anfang, weiße Frauen* zu Solidarität aufzufordern.  

If the first woman God ever made was strong enough to turn the world upside down all alone, these women together ought to be able to turn it back, and get it right side up again! 

Damit ist Truth Pionierin des Intersectional Feminism. Dieser macht auf die Mehrfachdiskriminierung einer Person aufmerksam, so Kimberlé Crenshaw. 1989 führt sie den Begriff Intersektionalität ein und hat seit jeher dazu geforscht, denn: „Wenn die feministische Theorie versucht, Frauen*erfahrungen anhand der Analyse von Patriarchat, Sexualität oder Ideologie der getrennten Sphären zu beschreiben, wird die Rolle Race oft übersehen“. Deshalb hat sie feministische Theorien und antirassistische Politiken mit dem Einbezug von Intersektion erweitert. So konnten marginalisierte Gruppen besser einbezogen und ihre Probleme sichtbar gemacht werden, denn alles, was einen Namen hat, kann Mensch auch erkennen. 

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Definition 

Intersektionalitätstheorien haben ihren Ursprung im 19. Jahrhundert zu Zeiten der Frauenbewegung in den USA. Damals kritisierten Schwarze Frauen, dass sie im Weißen Feminismus nicht berücksichtigt werden. Das Nomen Intersectionality wurde schließlich von der amerikanischen Professorin Kimberlé W. Crenshaw 1989 geprägt, die die Diskriminierung marginalisierter Frauengruppen erforschte. Bei dem amerikanischen Intersektionalitätsbegriff spielt vor allem die Trinität aus Race, Class und Gender die wichtigste Rolle.  

Per Definition nach Duden bezeichnet das Nomen Intersektionalität die „Überschneidung und Wechselwirkung mehrerer Formen von Diskriminierung bei einer Person.“ Das bedeutet, dass eine Person in mehreren Bereichen gleichzeitig diskriminiert wird und sich diese Diskriminierungsebenen auch untereinander bedingen sowie überschneiden. Eine Schwarze Frau könnte zum Beispiel sowohl rassistisch diskriminiert werden, weil sie Schwarz ist, aber auch sexistisch, weil sie eine Frau ist. Ebenso können sich ebenfalls die Diskriminierungserfahrungen überschneiden: Sie könnte diskriminiert werden, weil sie eine Schwarze Frau ist. Das ist eine Erfahrung, die sich auf Grund mehrerer Diskriminierungsformen ergibt. Intersektionalität bezeichnet daher auch in gewisser Weise individuelle Diskriminierungserfahrungen. Kimberlé W. Crenshaw führte die Metapher der Straßenkreuzung ein, um die bestimmten Kombinationen von Merkmalen aufzuzeigen, die sich in einer Person ‚kreuzen‘ und für bestimmte Diskriminierungserfahrungen sorgen. Versteht man Intersektionalität, kann man sensibler mit möglichen Diskriminierungsopfern umgehen.  

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Wer war Sojourner Truth?

Man geht davon aus, dass Sojourner Truth 1797 oder 98 als eines von zehn
Kindern eines versklavten Paares auf einer Farm in Ulster County geboren wurde. Ihr
Geburtsname war Isabella, man vermutet, dass Sojourner keinen Nachnamen hatte, da dies bei versklavten Menschen üblich war. Jedoch war ihr Vater unter dem Namen „Baumfree“ beziehungsweise „Bomefree“ bekannt und aus diesem Grund wurde ihr der Name Isabella Bomefree zugeschrieben. Sie lebte bis zum Tod der Landbesitzer, den Hardenberghs, bei einer niederländischen Familie und man vermutet aufgrund dessen, dass sie nur Niederländisch sprach.  Das Ableben des Landbesitzers 1808 sorgte aber nicht dafür, dass Sojourner in die Freiheit entlassen wurde. Während Ihre Eltern zu alt waren und in die Freiheit entlassen wurden, ging Isabella für 100 Dollar in den Besitz von John Neely über.  Da es sprachliche Barrieren gab, da die Familie Neely nur englisch sprach, wurde Isabella mit Peitschenhieben bestraft, ehe Sie an einen weiteren Farmer verkauft wurde. Der Farmer Dumont wurde von ihr fast schon als warmherzig beschrieben, denn er habe ihre Arbeit gelobt und sie nicht geschlagen.  

Im Jahr 1815 traf sie ihren ersten Partner Robert, der auch der Vater ihres ersten Kindes wurde. Er war ein Versklavter auf einer Nachbarfarm. Da der Landsherr gegen die Beziehung war, sah Isabella Robert nicht wieder. Zwei Jahre später wurde Isabella von Dumont mit einem älteren Sklaven zwangsverheiratet und bekam noch vier weitere Kinder.      

Das Leben als „freie Frau“:

1826: floh sie zu dem Quäker Isaac van Wagenen, der sie und ihre Tochter bei John Dumont auslöste. Isabella arbeitet als freie Hausangestellte 

1829: konvertierte sie als befreite Versklavte zum Christentum und zog mit ihrem Sohn nach New York 

1832: trat Isabella der christlich-utopischen Zion’s-Hill-Gemeinde bei. Robert Matthews, Führer der Gemeinde, behauptete, dass er ein gottgesandter Prophet sei. 

1843: Isabella reiste nach einer religiösen Inspiration als Predigerin durchs Land. Ab diesem Zeitpunkt kannte man Isabella unter dem Namen Sojourner Truth. In diesem Jahr machten sie Mitglieder der  Northampton Association of Massachusetts mit abolitionistischen und feministischen Ideen vertraut.  

1850: Sojourner Truth diktierte ihrer Freundin Olive Gilbert ihre Lebensgeschichte, die von William Lloyd unter dem Namen: The Narrative of Sojourner Truth: A Northern Slave“ veröffentlicht wurde.  

1851: Anlässlich einer Frauenrechtskonvention in Akron, Ohio hielt sie die Rede: „And ain’t I a woman?!“, die bis heute als legendär gilt. 

1863: Truth zog nach Washington und unterstützte Schwarze Soldaten aus dem Sezessionskrieg. Zudem half sie freigelassenen versklavten Frauen, und setzte sich gegen die Rassentrennung ein. Sie sprach auch bei Präsident Lincoln aufgrund der Missstände vor.  

1867: Das eingeschränkte Wahlrecht wurde Schwarzen und Indigenen Männern zugestanden und viele weiße Frauenrechtlerinnen fühlten sich um ihre Rechte beraubt. Truth sprach sich zugunsten Schwarzer Frauen aus und stritt in ihren letzten Lebensjahren für das
Wahlrecht von Schwarzen Frauen.  

1883: Sojourner Truth stirbt in Battle Creek, Michigan                           

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