Vonovia kauft Deutsche Wohnen
Fusion der Wohnungsgiganten
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Der Platz wird knapp: Bezahlbarer Wohnraum wird  zunehmend seltener. Bild: CC0
Der Platz wird knapp: Bezahlbarer Wohnraum wird zunehmend seltener.

Wohnraum. Sollte die Vonovia-Gruppe nun auch Deutsche Wohnen übernehmen, entsteht das europaweit mit Abstand größte Unternehmen dieses Sektors.

Das Bochumer Unternehmen Vonovia besitzt mehr als 400.000 Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden und will nun mit einer Megafusion den Berliner Rivalen Deutsche Wohnen übernehmen, der etwa 150.000 Wohnungen und 2.900 Gewerbeeinheiten sein Eigen nennt. Das Geschäft soll für rund 18 Milliarden Euro über die Bühne gehen, wobei den Anteilseignern der Deutsche Wohnen jeweils zirka 53 Euro pro Aktie angeboten wird, wodurch in der Öffentlichkeit über die Angemessenheit dieses Preises diskutiert wird. Das Angebot würde nämlich nur etwa dem Nettovermögenswert der Deutsche Wohnen entsprechen und keine zusätzliche Verkaufsprämie beinhalten. Im Falle einer erfolgreichen Fusion würde ein Unternehmen mit 550.000 Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro entstehen und damit auch der mit Abstand größte Wohnungskonzern Europas. Dafür wird jedoch zunächst noch die Zustimmung der Aktionäre benötigt, zu deren größten der Vermögensverwalter Blackrock und der norwegische Staatsfonds zählen.

Bereits 2016 hatte das Management von Deutsche Wohnen ein aus ihrer Sicht ungenügendes Angebot von Vonovia abgelehnt. Dennoch bemühte sich der Bochumer Konzern weiter um die Fusion, denn im Wohnungssektor gilt: Je mehr Wohnungen ein Unternehmen besitzt, desto kleiner werden die Kosten pro Wohnung. So könnte man mit dem Zusammenschluss jährlich 105 Millionen Euro an Kosten einsparen. Zusammen würde der neue Riesenkonzern dann zwar nur etwa zwei Prozent des deutschen Mietmarktes ausmachen, doch durch die Deutsche Wohnen besitzt man auch allein 150.000 Wohnungen nur in Berlin. Besonders die Hauptstadt ist für den Markt interessant, denn für eine Metropole sind die Mieten dort noch vergleichsweise gering, was noch einigen Spielraum für Mieterhöhungen bietet. Das wird zusätzlich noch durch den kürzlich verfassungsrechtlich abgelehnten Mietendeckel begünstigt, der dieser Entwicklung eigentlich Einhalt gebieten sollte. Diese Entscheidung macht Berlin für Vermieter:innen noch attraktiver, während Mieter:innen auf lange Sicht Kosten befürchten müssen, die ungebremst in die Höhe schnellen könnten. Wegen der steigenden Unzufriedenheit auf Mieter:innenseite erhält die Bürger:innen-Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ enormen Zulauf. Die Initiative möchte durch das Sammeln von Unterschriften einen Volksentscheid erreichen, der die Enteignung von Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen ermöglichen soll.

Die Manager der beiden Konzerne kündigten nun infolgedessen an, die Mieterhöhungen in Berlin in den nächsten drei Jahren auf ein Prozent jährlich und in den darauffolgenden zwei Jahren auf die Höhe der Inflationsrate zu begrenzen. Außerdem soll gemeinsam mit der Stadt, der auch 20.000 Wohnungen zum Kauf angeboten wurden, neuer bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Während Stimmen aus der SPD das Vorhaben grundsätzlich positiv bewerteten, dabei aber zum Schutz der Mieter:innen mahnten, gab es energischen Widerspruch aus der Linkspartei. „Die angestrebte Fusion von Deutsche Wohnen und Vonovia sollte von den Kartellbehörden unterbunden werden“, forderte Fabio De Masi, finanzpolitischer Sprecher der Linksfraktion. Auch von Seiten des Mieterbundes gab es starke Bedenken über die Versprechungen der Konzerne, denn der Verdacht liegt nahe, dass diese nur als Gegenmaßnahme gegen die vielversprechende Bürger:innen-Initiative getätigt wurden und lediglich in Berlin und auch dort beispielsweise nicht für neu sanierte Wohnungen gelten, die stets für eine horrende Preissteigerung sorgen können.

:Henry Klur

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