.. oder doch das Beisammen sein?
Geheiligt sei der Konsum

 

Kommentar. Weihnachten steht vor der Tür! Und Festtage bedeuten…? Ja, richtig! Kaufen, Kaufen und Kaufen, was das Zeug hält! 

Noch ein bisschen weniger als zehn Tage und es ist endlich wieder soweit! Das größte Fest der Christ:innen steht an und Partylöw:innen, Familien, von der christlichen Kultur geprägte Personen und natürlich auch Gläubige kommen zusammen, um die Geburt Jesus‘  zu feiern. Und zwar mit ganz vielen Geschenken. Nicht für Jesus, und auch nicht im Sinne Jesus‘  für die Armen und Bedürftigen, nein, sondern für Opa Hans, der unbedingt das neue iPad braucht, damit er seine Zeitung ganz fancy über eine App lesen kann. Dass Opa Hans ein iPad lieber als
Esstablett nutzt, ist am Ende auch egal. Der Konsum in der (Vor-)Weihnachtszeit ist immens. Das fängt schon mit den Weihnachtsmärkten an: gut besucht und überteuert präsentieren sie sich ganz im Sinne der Geldmacherei, wobei – und hier muss ich die Weihnachtsmärktler:innen in Schutz nehmen – es ja noch sehr verständlich ist, dass sich über den Zauber des Weihnachtsmarktes, auf den wir jetzt so lange verzichten mussten, gefreut wird. Da wird immerhin lokal Geld ausgegeben und auch noch zumeist für leckeres Essen, nicht für das nächste materielle Geschenk für Tante Inga, das halbherzig und mit einem Klick über Amazon gekauft wurde, weil man das ja so macht, „sich etwas schenken“, aber eigentlich gar nicht weiß, ob Tante Inga denn jetzt auf den ausgesuchten Tarantino-Film steht oder nicht. Das Problem an Weihnachten ist die Tradition des Konsumierens, die sich zwangsläufig mit unserer Konsumgesellschaft und der nach Geld lechzenden Wirtschaft etabliert hat. Unter den meisten Feiernden ist es Gang und Gebe, sich etwas zu schenken. Dabei lassen sich zwei Fälle betrachten: a) Es wird billiger Müll geschenkt, nur, um irgendetwas vorweisen zu können (So wie der Tarantino-Film für Tante Inga – und das soll jetzt keine Beleidigung an Tarantino sein! Tante Inga steht bloß nicht auf Filme und besitzt auch keinen Fernseher, aber das ist dem Schenker, ihrem Neffen Jochen, nicht bekannt, denn er hat sich eh noch nie wirklich mit Tante Inga unterhalten) oder b) Es wird das meiste Geld ausgegeben, denn Geld bedeutet Liebe, wie wir alle wissen (siehe Opa Hans, der sich jetzt mit einem iPad herumschlagen muss, obwohl er nur am liebsten mal mit seiner Enkelin einen Kaffee trinken gehen würde). Fall c), dass von Herzen geschenkt wird und auch nur dann, wenn wirklich eine gute Idee vorschwebt, scheint seltener. Große Black-Friday-Sales befördern dieses Konsumverhalten. Cool, dann werden nämlich die Weihnachtsgeschenke auch noch meistens aus dem Ausland importiert, und nicht nur der Geldbeutel ächzt vor Verzweiflung, sondern auch die Natur, unsere Erde und die billig bezahlten Arbeiter:innen aus Übersee. Hinzukommt, dass die meisten Geschenke wahrscheinlich auch mit einem Shoppingtrip in die Innenstadt zu besorgen gewesen wären – und da hätte man auch noch lokale Einzelhandel unterstützen können! Der Anteil des lokalen Einzelhandels an privaten Konsumausgaben betrug 2020 nur noch knapp unter 40 Prozent. Das heißt der ganze Rest wird anderweitig ausgegeben, vorzugsweise online. Am Ende liege ich Euch gerne in den Ohren: Schreibt Opa Hans doch mal einen Brief. Schreibt, warum er ein toller Opa ist. Unterhaltet Euch mit Tante Inga, ladet sie ins Kino auf einen Film ihrer Wahl ein. Denn am Ende ist Liebe nicht mit Geld, sondern nur mit gemeinsamer Zeit gleichzusetzen.  

:Rebecca Voeste