Lesung: Eier aus Stahl, Worte aus Gold
Heavy (Edel-)Metall
Foto: Lukasz Laski / Marek Firlej
Der Kowal und der Marock: Zwei harte Jungs formen Worte zu Gold. Foto: Lukasz Laski / Marek Firlej
Der Kowal und der Marock: Zwei harte Jungs formen Worte zu Gold.

Samstagabend. Lesung im Café Banane. Die Autoren sitzen gekämmt im Hemd am kleinen runden Tisch. Auf ihm erfrischende Getränke und zahlreiche bedruckte Blätter. Klingt spießig? War es aber nicht. Im Gegenteil: Heavy Metal in Worten boten die zwei harten Bochumer Kerle Łukasz Łaski (aka Der Kowal) und Marock Bierlej vergangenes Wochenende in Dortmund.

Begleitet von verzerrten Gitarren und prügelnden Drums schreiten Der Kowal und Marock erhaben zur Bühne. Marock – der aufmerksamen Lesern als :bsz-Redakteur Marek Firlej bekannt sein dürfte – eröffnet den kuriosen Abend mit einem kleinen Ständchen. Eine stimmgewaltige Metal-Version des Suppenkaspers dröhnt durch das gemütliche Café und fesselt das heterogene Publikum von der ersten Minute an. Nicht nur der Beginn der Lesung ist ungewöhnlich; auch im weiteren Verlauf werden die kulturell bewanderten BesucherInnen überrascht – und mehr als zufrieden gestellt.

Glücksfee und Brutal Death Grind

Statt ihre Texte in einer logischen Abfolge herunterzurattern, setzen die zwei Bartmänner auf Interaktion. So gestaltet eine blonde Glücksfee gemeinsam mit ausgewählten ZuschauerInnen das Programm des Abends mit. Aus acht Silberschildchen wird insgesamt sechsmal eine Kategorie gezogen, aus der die zwei Lesenden je einen Text vortragen. Bereits das erste Motto „Extreme Brutal Death Grind“ ist knüppelhart. So verwundert es auch nicht, dass manche Texte teils unangenehme Zustände hervorrufen: Überraschung, Ekel, Schmerzen, Fassungslosigkeit. Während einige Münder starr offen stehen, genieße ich als Splatter-Fan die Morbidität in vollsten Zügen. Doch Łukasz und Marock bieten nicht nur Heftiges, sondern insgesamt sehr viel Abwechslung – von lustig über düster bis hin zu blutig ist in den anderthalb Stunden alles dabei. Drei Dinge ziehen sich jedoch unverändert durch den Abend: bemerkenswerte Eloquenz, metallische Anspielungen und die Begeisterung der Anwesenden. In diesem Sinne: stay trve, rock on and keep on writing!        

:Melinda Baranyai