Illegale Pushbacks in Zeiten des halbfreien Internets
Illegal, legal, egal!
Screenshot:kiki
Drugreview: Irgendwie komisch Kokain eine Bewertung zu geben.

Kommentar. Immer wieder wird das Darknet als illegale Welt beschrieben, die es um jeden Preis zu verhindern gilt. Dass das dunkle Web Vorteile haben kann, wird dabei außen vorgelassen.

Man kann sich eigentlich glücklich schätzen, Teil einer Generation zu sein, die noch die Möglichkeit hat, in einem dezentralisierten Teil des Web 2.0 herumzustöbern und dabei die Freiheit zu haben, wählen zu können, ob man seine Daten freigibt oder sie für sich behält. Zwar ist der Weg hin zu dem „freieren“ Internet ein wenig umständlich, uso mehr jedoch die Frage nach eigener Datensicherheit eine zentrale Frage im politischen Tagesgeschehen ist, desto überschaubarer werden die Strategien, die einen Zugang in das „Verborgene“ leiten. Mittlerweile ist das Surfen im World Wide Web mit Hilfe eines Proxys oder verdeckter IP fast schon Mainstream. Der Schritt zum Onion-Browser wirkt nicht mehr wie etwas abstraktes, vielmehr ist es fast schon die logische Konsequenz meines umtriebigen Internetkonsums. Doch was gibt es im allzu berühmten Darknet alles so zu entdecken? Wie kommt man da eigentlich rein und wie formt sich diese Gemeinschaft beziehungsweise was ist überhaupt diese Gemeinschaft? 

Der Begriff Darknet wirkt wie ein nie zu erreichendes Ziel, das Anschluss in eine Welt verspricht, die nur der Elite des Internets zugängig ist. Tatsächlich ist es ein wenig einfacher. Fürs erste habe ich auf meinem Onion-Browser in Duck Duck Go „Drogen Kaufen“ eingegeben und auf einem Reddit-Beitrag einen Link gedrückt, der mich auf eine Seite brachte, die ähnlich wie Silkroad funktionierte. Hier war ich also: Das Darknet.
Was ist diese Welt, die total natürlich neben unserer existiert, wo man quasi unsichtbar durchs Internet reisen kann und so ziemlich alles für eine gewisse Summe kaufen kann oder sogar gratis bekommt? Hier, wo Großkonzerne keinen Fuß finden können und ihre Produkte gratis angeboten werden, nur aus Prinzip. Warum sich überhaupt noch in „legalen“ Räumen herumtreiben, wenn die „illegalen“ Räume so einfach zu erreichen sind und so viel mehr bieten? 

Wenn ich überlege, wie große Tech-Companies die digitalen Räume in Alleinherrschaft an sich reißen und dabei die Menschen, die das System am Laufen halten offenkundig ausbeuten, komme ich nicht drum rum mir die Frage zu stellen, ob das, was im Darknet so vor sich geht, wirklich moralisch verwerflich oder einfach nur ein Gegenbeispiel zum gängigen System ist. Warum dürfen sich die großen Tech-Konzerne in Irland verstecken, aber normale User:innen müssen auf ihre Daten verzichten? 

Wirklich Sinn ergibt das Ganze nicht. Es scheint absurd, dass dieser rechtsfreie Raum überhaupt existieren kann und ich meine zu verstehen, dass dieses Niemandsland eine unheimliche Ressource sein kann, die es zu schützen gilt. Man muss aber auch den praktischen Nutzen dieses halblegalen Raumes sehen. Dieser, der Bildung schafft, wo sonst Zensur herrscht. Dieser, der Chancengleichheit erreicht, indem alles kostenlos wird. Dieser, der Foren gründet, um Organisationen zu helfen, Protest zu formulieren. Das Darknet hat zwei Seiten und vieles dazwischen. Es kann eben für alles genutzt werden und wird dadurch auch für alles genutzt. Für was man es nutzt, bleibt die eigene Entscheidung. 

:Gerit Höller