Die rührende Geschichte von einem, der kein behindertes Kind wollte
Kacke, meine Tochter hat das Down-Syndrom!
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Wie geht ein Vater damit um, dass seine Tochter das Down-Syndrom hat? Damit befasst sich Fabien Toulmé in seiner Graphic Novel. Foto-Quelle: avant-Verlag
Wie geht ein Vater damit um, dass seine Tochter das Down-Syndrom hat? Damit befasst sich Fabien Toulmé in seiner Graphic Novel.

Stell dir vor, du erwartest ein Kind. Und trotz aller moderner Voruntersuchungen diagnostizieren die Ärzte und Ärztinnen erst nach der Geburt: „Ihr Kind hat Trisomie 21.“ Für viele ist ein behindertes Kind ein Albtraum – so auch für Fabien Toulmé, der aus seiner Vaterschaft eine wundervolle graphic novel gemacht hat, die man beim Lesen gar nicht aus der Hand legen möchte: „Dich hatte ich mir anders vorgestellt …“

Die Geschichte von der Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit der (so wie sie ist) ungewollten Julia ist gespickt mit tausenden privaten Details. In welchem Pariser Arrondissement die junge Familie wohnte, welche Krankenhäuser sie aufgesucht hat und jede Menge anderer Kram, der scheinbar die Geschichte nicht voranbringt.

Überhaupt ist die Story, was Spannungsaufbau angeht,  total daneben: Die Frage „Hat das Kind das Down-Syndrom?“ ist für die LeserInnen von vornherein klar. Sie wird total in die Länge gezogen. Aber, und das bringt der Autor glaubhaft rüber, für die jungen Eltern war es ein persönlicher Krimi. Und da merkt man: Die vielen persönlichen Details schaffen eine intime Vertrautheit und Glaubwürdigkeit.

„Meine Tochter, ein ‚Mongo‘, der einen dunklen Schatten auf mein Leben warf.“

Normalerweise kommt mir allein beim Gedanken an solch profane Geschichten wie persönliche Schicksale und Familiendramen mein Frühstück hoch. „Dich habe ich mir anders vorgestellt …“ aber ist von so entwaffnender Ehrlichkeit, dass ich regelrecht ergriffen war, vom Titel bis zu Äußerungen wie „Meine Tochter, ein ‚Mongo‘, der einen dunklen Schatten auf mein Leben warf“.

Es gehört wahnsinnig viel Mut dazu, in einem Comic zuzugeben, dass man sich vor seinem eigenen Kind ekelt. Zuzugeben, dass man sich gewünscht hatte, die Kleine würde ihren angeborenen Herzfehler nicht überleben, „damit der Albtraum endlich ein Ende hat.“

Am Ende wird – natürlich – alles gut. Julia ist ein „besonderes Kind“. Ein wenig kitschig, aber einfach sehr, sehr schön. So wie der ganze Band.

:Marek Firlej

Fabien Toulmé:

„Dich hatte ich mir anders vorgestellt …“

Avant-Verlag, Oktober 2015

248 Seiten

24,95 Euro

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