Deutsch-Südafrikanisches Wissenschaftsjahr neigt sich dem Ende
Kapitale Forschung
Foto: DST/BMBF
Das International Convention Centre in Kapstadt: Hier ging es los. Foto: DST/BMBF
Das International Convention Centre in Kapstadt: Hier ging es los.

Am 16. April wird in Berlin das Deutsch-südafrikanische Wissenschaftsjahr mit einem Festakt beendet. Es wird viel Schulterklopfen und symbolische Gesten geben. Im Ruhrgebiet hat man von dieser Kooperationsinitiative der Wissenschaftsministerien beider Länder in den letzten zwölf Monaten nicht viel gehört. Lediglich an der Nachbaruniversität Duisburg-Essen (UDE) ging die Aktion nicht ganz spurlos vorbei: Die Studentin Rebecca Nicklaus gewann den zweiten Platz beim Essay-Wettbewerb.

Im Januar 2012 startete der Ideenwettbewerb zum bilateralen Wissenschaftsjahr. WissenschaftlerInnen beider Länder waren aufgerufen, ihre Projekte zu einem der sieben Themen vorzustellen: Astronomie, Bioökonomie, Klimawandel, Geistes-/Sozialwissenschaften, Human Capital Development, Gesundheitswirtschaft und Urbanisierung/Megastädte. Von den je über 100 Einsendungen aus Deutschland und Südafrika wurden und werden (das letzte Projekt läuft bis zum 22. April in Südafrika) 41 Initiativen und Projekte finanziell gefördert; daneben gab es in Chemnitz, Osnabrück, Bloemfontein, Forest Town, Berlin, Pretoria und vielen anderen Städten zahlreiche Konferenzen, Workshops und Vorträge. „Die Bewertung der Vorhaben und Initiativen erfolgte separat in Deutschland und Südafrika durch externe Begutachter auf der Basis von Sichtbarkeit der geplanten Veranstaltungen (Leuchtturmpotential) sowie fachlicher Fokussierung auf die 7 Themenschwerpunkte“, heißt es im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) heraugegebenen Zwischenbericht.

Ruhrgebiet leuchtturmfreie Zone

Das Wort „Leuchtturmprojekt“ klingt in den Ohren der Ruhrgebietsmenschen seit Ruhr.2010 nach kostspieligen Genüssen für eine kleine Elite. Allerdings kann man es auch richtig machen: Wissen und Wissenschaft öffentlichkeitswirksam und damit möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, klingt nach einem löblichen Vorhaben. Aber ob der Leuchtturm „Tagung ‚Regelungen zum Umgang mit invasiven Spezies aus Sicht des internationalen Rechts‘“ allerdings wirklich so viele Menschen angestrahlt hat?

„Die Fäden des Wissens ineinander verwickeln“

Näher am wissenschaftlich interessierten Publikum war der Essaywettbewerb „GESCHICHTE. SCHREIBEN. ZUKUNFT.“, der vom Bildungsministerium in Kooperation mit der Hochschulzeitschrift UNICUM aus Bochum ausgeschrieben wurde. Gefragt war ein kurzer Essay zu einem der Themenschwerpunkte des Wissenschaftsjahres. Gewonnen hat Lina Schwarz, die an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Ihr Essay „Die Verwicklungshilfe“ lobt die internationale wissenschaftliche Vernetzung – ganz im Sinne des Programms. Dabei verwirft er aber das Entwicklungsgefälle Deutschland–Südafrika. Statt „Entwicklungshilfe“ soll es eben „Verwicklungshilfe“ geben – Vernetzung, von der alle Seiten profitieren.
Vorbildliche Selbstreflexion zeigte die Jury, indem sie den zweiten Preis Rebecca Nicklaus von der UDE zuerkannte. Mit ihrer Einsendung „Human Capital Development – Ein Versuch der Weigerung“ stellt sie einen der thematischen Grundpfeiler in Frage. Was ist menschliches Kapital? Es ist ein philantropisches Plädoyer für ein neues Verständnis des Begriffes „Humankapital“. Es kann nicht immer nur um Arbeitskraft gehen. „Ein Mensch sollte nichts Besonderes tun müssen, um als wertvolles Wesen eingestuft zu werden. Ein Mensch sollte aufgrund seines Seins Nutzen bringen. Wegen nichts sonst. L‘homme pour l‘homme.“
Carolin Hoffmann aus Bonn dekonstruiert Wunschvorstellungen, indem sie mit ihrem Essay „Farm-Idylle in Südafrika: Zwischen literarischer Sehnsucht und politischer Realität“ an den unromantischen Ist-Zustand am Kap erinnert.
Bei den Abschlussfeierlichkeiten am 16. April in Berlin wird das Deutsch-Südafrikanische Wissenschaftsjahr auf jeden Fall als Erfolg gefeiert werden. Tatsächlich haben viele Forschungsprojekte von diesem Jahr profitieren können. Nur die RUB hat es anscheinend versäumt, ihre bestehenden Beziehungen mit Kapstadt zu intensivieren oder neue zu flechten.

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