Kampf um Freiräume und studentische Selbstbestimmung in 50 Jahren RUB
Kulturrevolution, Besetzungen und abfeiernde Profs
Foto: Wir Gründerstudenten
Musik und gute Laune: Feierlichkeiten haben Tradition an der RUB. Foto: Wir Gründerstudenten
Musik und gute Laune: Feierlichkeiten haben Tradition an der RUB.

Trotz des brandgefährlichen Betons erlosch der Partygeist an der RUB im Inferno von Musik und Alkohol nie. Die ProtagonistInnen von damals sind jedenfalls noch heute Feuer und Flamme, wenn sie sich erinnern.

Am Anfang ist es eine kleine Kulturrevolution im beschaulichen Querenburg, erinnert sich Willi Bredemeiers. „In den vier Querenburger Kneipen funktionierte die Kommunikationskultur zwischen den Paohlbürgern und den Studierenden eher nicht.“ Das bringt auch Konflikte mit sich: „Gegen die Langhaarigen wurde so manches Hausverbot verhängt.“ Als Mitte der 60er-Jahre die erste Ruhrgebiets-Uni eröffnet, kündigt sich in der jungen BRD bereits die Studierendenrevolte an. 

Eine wirkliche Campus-Kultur gibt es an der Pendler-Uni zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch das ändert sich schnell: „Auf dem Campus war der Backofen der allabendliche Treffpunkt und die vom Studierendenwerk betriebene Container-Kneipe RUB-PUB wurde zum Kult und war immer brechend voll“, so Bredemeier. Der Hattinger engagierte sich damals in der Studierendenbewegung. 

Die Proteste gegen die Notstandsgesetze, autoritäre Strukturen oder teurere Bogestra-Tickets prägen auch die Campus-Kultur. Politik und Party sind nicht immer zu trennen. „Viele politische Veranstaltungen hatten Happening-Charakter und gingen bruchlos in pure Geselligkeit oder nächtelange Diskussionen über“, so der „68er“ über die Aufbruchstimmung. 

Zum „Debattierklub“ wird auch der 1967 im Äskulabweg am Rande der Hustadt eröffnete Kohlenkeller. Neben der Politik gibt es auch lockere Feierlichkeiten. „Besonders die legendären Sommerfeste in der alten Mensa bleiben unvergesslich“, erinnert sich der ehemalige AStA-Vorsitzende Roland Ermrich.

„Learning by doing“ in den 80ern

Doch studentische Freiräume und Eigen-initiative gab es nicht nur in den politischen 60er- und 70er-Jahren – auch die 80er seien von „Learning by doing“ und einer Menge Improvisation geprägt, wie Ralf Weber erzählt: „Bei den Ingenieuren haben sich alle drei Fachschaften zusammengetan, um die legendären Nikolausparties in IB zu organisieren“, so der heutige Akafö-Mitarbeiter: „Ein paar FR-Mitglieder spielten in Bands, über diese wurden Technik und Knowhow eingebracht, befreundete Kneipen wie das Clochard oder Oblomow halfen beim Aufbau gastronomischer Angebote.“ Bürokratische Hürden gab es nicht: „Genehmigungen waren teilweise mit einem Telefonat erledigt.“ Die Party mit Live-Bands wie Vatermörder lockten nicht nur Studis an: „Auffallend war, dass viele Profs ebenfalls zu den Parties kamen und mit den Studenten abfeierten.“

Restriktionen aus „Brandschutzgründen“

In den Folgejahren entwickelt sich ein vielfältiges Kneipenleben in Querenburg. Zudem organisiert die 1986 ins Leben gerufene Kulturinitiative boskop etliche Veranstaltungen. 1997 eröffnet schließlich das vom AStA betriebene KulturCafé. 

In den Nullerjahren wirkt sich jedoch die neoliberale Umstrukturierung auf die Campus-Kultur aus: Partys in Fakultätsgebäuden wurden aus „Brandschutzgründen“ untersagt, die Rechte von Fachschaftsräten eingeschränkt. Als 2006 Studiengebühren eingeführt werden, besetzen Studierende aus Protest das heutige Q-West. In der dort gegründeten „Freien Uni Bochum“ (FUB) wird schnell eine andere Party-Kultur gelebt: „Diese waren so unterschiedlich wie die Menschen, die sie organisiert haben und wurden von Studis unterschiedlichster Fachrichtungen organisiert, die einfach mal Bock hatten, Kultur zu schaffen, sich auszuprobieren“ , erinnert sich Benjamin Bettinger. Das habe auch den Zusammenhalt unter den Studierenden gestärkt. Doch nach wenigen Monaten lässt der damalige Rektor Elmar Weiler die FUB von der Polizei räumen. „Ihm war es wichtiger, einen ‚klinisch reinen‘ Campus zu Whaben, anstatt die kulturellen und sozialen Bedürfnisse der Studierendenschaft zu beachten. Also hat er mit dem vorgeschobenen Argument „Brandschutzverordnung“ alles vertrieben, „was nicht in sein Bild passte“, so Bettinger.

Seit der Gründungszeit hat sich daher wenig geändert: Partys und Politik sind an der RUB nicht zu trennen. 

:Benjamin Trilling