Aung San Suu Kyis Biographie erobert die Bildwand unseres Filmtheaters
The Lady
Foto: Htoo Tay Zar, Wikimedia Commons
Eine tragische Geschichte? Das Leben der Aung San Suu Kyis. Foto: Htoo Tay Zar, Wikimedia Commons
Eine tragische Geschichte? Das Leben der Aung San Suu Kyis.

Amnesty International Bochum und der Studienkreis Film (SKF) präsentieren am Mittwoch, den 30. Januar, um 18 Uhr im Uni-Kino der Ruhr-Universität Bochum (HZO 20) das biographische Drama  „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (2011). Der Film handelt vom Leben der burmesischen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die sich in den 80ern für die gewaltfreie Demokratisierung ihres Landes einsetzte und dafür mit vielen Jahren Gefängnis bezahlen musste. Luc Besson, französischer Autor sowie Filmproduzent und Regisseur, konzentriert sich in seinen Film nicht nur auf Aung San Suu Kyis einzigartige und beeindruckende Biographie, sondern versucht außerdem, die Tragik ihrer Ehe in seinem Film einzufangen.
                                                                              
Begonnen hat alles mit Aung San Suu Kyis Vater, der sich in den 40ern für die Unabhängigkeit Burmas (heute Myanmar) von der britischen Kolonialherrschaft stark machte. 1947 wird der General Opfer eines Attentates. Man erschießt ihn in einem Sitzungssaal in der damaligen Hauptstadt Rangun. Während die Mutter der späteren Politikerin sich nach dem Tod ihres Mannes als erste weibliche Botschafterin Burmas in Indien einsetzt, besucht Aung San Suu Kyi die renommiertesten indischen Schulen, an denen sie unter anderem Freundschaft mit der späteren Premierministerin Indiens, Indira Gandhi schließt, die, ähnlich wie Aung San Suu Kyis Vater, bei einem Attentat ums Leben kommt. In Delhi studiert sie anschließend Politikwissenschaft, später Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaft in Oxford. Von 1969 bis 1971 arbeitet die Menschenrechtsaktivistin im UN-Sekretariat in New York, heiratet den britischen Historiker und Tibetologen Michael Aris, bekommt zwei Söhne und promoviert an der School of Oriental and African Studies in London.
Währenddessen isoliert der damalige Diktator Ne Win Burma in seinem System von extremen Nationalismus von der Außenwelt. Zu Ne Wins radikalen Maßnahmen gehören die Festnahme politischer Oppositioneller, das Ausquartieren ausländischer Staatsangehöriger, die Verstaatlichung der Wirtschaft und die gewaltsame, militärische Bekämpfung der Aufstände ethnischer Minderheiten. 1988 kehrt Aung San Suu Kyi schließlich nach Burma zurück, da ihre Mutter schwer erkrankt ist. Ne Win ist mittlerweile nicht mehr Staatspräsident. 1988 reißt aber erneut eine Militärjunta die Macht an sich  – ganz Tochter ihres Vaters kann die zierliche „Lady” der heiklen Lage ihres Heimatlandes nicht tatenlos zusehen. Mit der von ihr mitgegründeten Nationalen Liga für Demokratie (NLD) reist sie als Parteivorsitzende durch das Land und fordert das Volk zu zivilem Ungehorsam auf. Im Juli 1989 wird sie unter Hausarrest gestellt. Zehn Jahre später stirbt ihr Mann an Krebs, sie kann sich nicht von ihm verabschieden.
Mit kurzzeitigen Unterbrechungen stand Aung  San Suu Kyi bis zum 16. November 2010 insgesamt fünfzehn Jahre unter Hausarrest.

Untypisch für Luc Besson?

„96 Hours“, „The Transporter“, „Léon der Profi“  – Luc Bessons Werke beweisen: Er ist Schöpfer von fiktiven Meisterwerken und Film-Hits. Passt die biographische Verfilmung Aung San Suu Kyis in seinen künstlerischen Lebenslauf  – direkt nach seiner Regie bei der Trilogie von „Arthur und die Minimoys“ bis 2010? Man darf nicht vergessen, dass Luc Besson auch anders kann. Er hat auch schon vor „The Lady” Frauenportraits verfilmt. Seinen Durchbruch feierte er zum Beispiel mit seiner ersten Co-Produktion von „Nikita”(1990), einen Spielfilm über eine drogensüchtige Frau, die mit ihren Freunden in einer Apotheke einbricht, um an Drogen zu gelangen. Auch sein Historienfilm „Johanna von Orleans”(1999) porträtiert eine starke Frau der politischen Weltgeschichte. Trotzdem ist es augenfällig, dass Luc Besson sich für lange Zeit nicht mehr an ein biographisches Drama getraut hat. Der Regisseur und Produzent gestand, dass er das Drehbuch in einem früheren Stadium seiner Karriere nicht hätte umsetzen können.  

Einseitige Inszenierung oder empfindsames Meisterwerk

Das Online-Portal „Filmstarts” kritisiert die Vereinfachung und Raffung von Aung San Suu Kyis Biographie. Der politische Kampf verkomme in „The Lady – Ein geteiltes Herz” zur reinen Nebensache und die Gegenspieler der Politikerin seien zu „comichaften Schreckgestalten” vergröbert worden. Besonders gut gelungen sei jedoch das Involvieren des Publikums mithilfe der ergreifenden Darstellung der unzerstörbaren Liebe zwischen Aung San Suu Kyi und ihrem Ehemann. Das Fazit von „Filmstarts” lautet: „‚The Lady‘ ist ein überaus konventionelles Biopic, das der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in seiner einseitigen und naiven Inszenierung leider nicht gerecht wird. Michelle Yeoh und David Thewlis verkörpern das beständig voneinander getrennte Bürgerrechtlerpaar mit Feingefühl, doch liegt der Fokus des Films so stark auf der aufopferungsvollen Liebesgeschichte, dass die brisanten politischen Vorkommnisse in Burma zu Randnotizen verkommen.“
Die Filmcommunity „Filmreporter“ bewertet „The Lady“ im Gegensatz zu dem Online-Portal „Filmstarts“ äußerst positiv. Luc Besson und vor allem Michelle Yeoh hätten mit „The Lady“ das Meisterwerk ihres Lebens abgeliefert. „Luc Besson schafft es, gemeinsam mit seiner Lady, unzählige Momente voll ergreifender Filmmagie zu schaffen, die wahrhaftige Anteilnahme und ergreifendes Mitgefühl auslösen“, konstatiert Lisa Wolff, Filmkritikerin der Community.
Die Frage ist, was bei einer biographischen Verfilmung im Vordergrund stehen sollte – man muss sich entscheiden zwischen faktentreuer Berichterstattung und fokussierter, emotionaler Bewegung des Publikums.