IbS organisierte Benefizkonzert für behinderten Sportler
Mambo-Metal und Rollstuhl-Rock
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Heavy Metal ist eine Einstellung, keine Musik: Darum gibt es zur Pop-Orgel auch die Pommesgabel. Foto: mar
Heavy Metal ist eine Einstellung, keine Musik: Darum gibt es zur Pop-Orgel auch die Pommesgabel.

Wenn Mambo Kurt Heavy Metal auf seiner düdeligen Heimorgel machen kann, warum sollten dann behinderte und nichtbehinderte Studierende nicht zusammen feiern können? Dass das Eine Seltenheitswert hat, ist gut, denn so hat mal wieder ein kreatives Original das KulturCafé der Ruhr-Uni gerockt. Dass es bei Letzterem genauso ist, ist allerdings traurig. Damit sich das ändert, hat die Interessengemeinschaft behinderter und nichtbehinderter Studierender (IbS) am vergangenen Freitag, den 13., ein tolles Konzert auf die Bühne gebracht. Konkreter Anlass war, den im Rollstuhltischtennis spielenden Valentin Baus zu einer wichtigen Paralympics-Qualifikation zu schicken.

Unter dem Titel „Feiern können ALLE – Mambo Kurt inclusive“ lockte vergangenen Freitag ein Konzertabend zahlreiche in schwarze Textilien und Leder gehüllte Gestalten ins KulturCafé. Es war mal wieder Zeit für Heavy Metal an der RUB. Doch zunächst wurden die BesucherInnen mit einem Kurzfilm auf den Hintergrund des Konzerts hingewiesen, nämlich die Inklusion Behinderter an der RUB zu stärken. Dafür sprechen sich in dem Video unter anderem RUB-Rektor Weiler sowie behinderte und nichtbehinderte Studierende aus. Um zu unterstreichen, dass dieses Miteinander funktioniert, eröffnete die körperlich beeinträchtigte Chantal Priesack mit ihrer beeindruckenden Stimme den Abend.

„Ich spiele nie umsonst –  aber ich wurde so nett gefragt“

Vor den zwei Vorbands betrat der Headliner die Bühne – an diesem Abend war alles möglich. Etwa auch, dass der leidenschaftliche und professionelle Heimorgelspieler („Die Heimorgel ist das wunderbarste Instrument auf der Welt!“), der schon auf großen Festivals wie dem Wacken Open Air aufgetreten ist, hier sein erstes und einziges Benefizkonzert gegeben hat. Damit „gehen die 12.000 Euro Gage“, die er normalerweise nehmen würde, „an den Tischtennisspieler“, scherzte Mambo Kurt von der Bühne. Er spielte ein Set, das seine Fans erfreute, Mambo-Neulinge hingegen zwar amüsiert, aber durchaus auch verwirrt haben mag. Das prägnante Riff von Rage Against the Machines „Killing in the name of“ wurde da runtergedüdelt und auch „die größte deutsche Band – größer als Scorpions und Rammstein zusammen“, Scooter, durfte nicht fehlen. Rammsteins „Engel“ lud zum Mitgrölen ein, „Mein Glied ist zu groß“ (Kassierer) freute Punks und WattenscheiderInnen, löste bei allen anderen aber Stirnrunzeln aus. Wir lernten auch, dass wenn man in einem Marschbeat (bum-tschak-bum-tschak) die Hi-Hat rausnimmt, Techno entsteht: bum-bum-bum. Nach neun Liedern verließ der Mann mit der Yamaha- D-85-Electone-Heimorgel die Bühne: „Ich will in der WAZ lesen, dass Ihr den jungen Mann zu den Paralympics schickt!“

Hat nicht nur für Tasten ein gutes Händchen: Der promovierte Chirurg nutzt die Gelegenheit für etwas Fannähe. Foto: mar Hat nicht nur für Tasten ein gutes Händchen: Der promovierte Chirurg nutzt die Gelegenheit für etwas Fannähe. Foto: mar

Von Weitmar nach Rio

Was dahinter steckt: Mit dem Geld sollte nicht bloß ein Zeichen für Inklusion allgemein gesetzt, sondern speziell Geld für Valentin Baus gesammelt werden. Valentin Baus spielt Tischtennis, und das sehr gut. Beim TTG Bochum Weitmar spielt er in der 1. Kreisliga – bei den nichtbehinderten Herren, und das, obwohl er im Rollstuhl sitzt. In der Disziplin Rollstuhltischtennis spielt er im Nationalteam mit. Letztens hat er in Ungarn wieder Gold im Doppel geholt. Leider sind internationale Turniere teuer und der Deutsche Behinderten-Sportverband (DBS) zahlt nur ein bis zwei Turnierteilnahmen im Jahr. Um seinen Weltranglistenplatz, der ihn für die Paralympics, die Olympiade der behinderten SportlerInnen, qualifiziert, zu halten, muss er demnächst nach Rio de Janeiro. Ein Stück näher haben ihn die Einnahmen vom Konzert gebracht.

Die als Vorbands angekündigten Dead Memory aus dem Pott und Tyranuke aus Düsseldorf kümmerten sich um das Nachspiel. Beide Bands knallten abwechslungsreichen Metal durch die Boxen, der für Partystimmung sorgte. Einen richtigen Moshpit gab es nicht, doch wehende Haare waren durchaus zu sehen, genauso wie gutgelaunte Gesichter auf, vor und hinter der Bühne.
 

Chantal Priesack eröffnete den Abend musikalisch. Foto: mar
Heavy Metal ist eine Einstellung, keine Musik: Darum gibt es zur Pop-Orgel auch die Pommesgabel. Foto: mar
Hat nicht nur für Tasten ein gutes Händchen: Der promovierte Chirurg nutzt die Gelegenheit für etwas Fannähe. Foto: mar
SLAYER! (Auch wenn's klingt wie Abba) Foto: mar
Auch Spontan-Gogos aus dem Publikum dürfen nicht fehlen. Foto: mar
Gegenseitiges Dankeschön: Mambo Kurt und Veranstalterin Laura-Monica Oprea (IbS) und Andreas von Canstein vom AStA. Foto: mar
Dead Memory aus dem Pott gaben ihr Debut. Foto: mar
Tyranuke aus Düsseldorf. Foto: mar
Tyranuke-Frontmann als Verrückter Hutmacher. Foto: mar
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