RUB forscht an Corona - Medikament
Neue Informationen der RUB zum Virus lassen auf Medikament hoffen
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Symbolbild

Medizin. Ein Forschungsteam der RUB um die Medizinerin Dr. Nazha Hamdani arbeitet an einem Medikament, das Organe bei Infektionen mit dem Coronavirus schützen soll. 

Das Virus dominiert schon lange unser Leben, die Impfung ist ein Weg, einen schweren Verlauf der Erkrankung vorzubeugen, doch was ist mit Menschen, die ungeimpft erkranken? COVID-19 kann auf viele Arten den Körper angreifen, darunter fällt eine Erkrankung der Atemwege und Lungen, des Herz-Kreislauf-Systems, Leber- und Nierenerkrankungen oder Entzündungsreaktionen, woraufhin mehrere Organe versagen können, um nur manche zu nennen. Allgemeine Behandlungsmöglichkeiten, also Therapieformen, die die Symptome einer Krankheit bekämpfen und nicht spezifisch diese eine Krankheit, und Medikamente, die beim Verlauf helfen sollen, sind bereits verfügbar. Dabei ist Remdesivir bis dato das einzige Medikament, welches das Virus direkt angreift und in Deutschland zugelassen ist, wobei man sich über die Wirkung noch uneinig ist. 

Schon im April 2020 war bekannt, dass Sars-CoV-2 das Herz angreifen kann und unabhängig von kardialen Vorerkrankungen eine erhebliche Mortalitätsrate aufweist. Dr. Nazha Hamdani hat den Weg des Virus ins Herz nachvollzogen und gibt nun Aufschluss über die Eintritts- und Schädigungsmechanismen.  Zuvor war bereits bekannt, dass das Virus auf der Virushülle ein Enzym sitzen hat, das sogenannte Spike-Protein; dieses kann sich an ein Oberflächenmolekül der menschlichen Zellen, das Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE-2), binden. Mithilfe des ACE-2-Rezeptors findet das Virus seinen Weg ins Zellinnere und dort kann es sich vermehren. Das passiert in Lunge, Niere, Darm und Leber. Das hätte man sich auch beim Herzen vorstellen können, aber Dr. Hamdani und ihr Team fanden heraus, dass das Virus zwar so in die Zellen kommt, aber auf eine andere Weise seinen Weg ins Herz findet.
Hier kommen die extrazellulären Vesikel ins Spiel. Vesikel sind heruntergebrochen kleine Bläschen und extrazellulär heißt, dass sie außerhalb der Zelle liegen. Diese Bläschen sind für die Kommunikation zwischen den Zellen verantwortlich. Sie können Moleküle von A nach B bringen, dazu gehören auch die Boten-RNA (mRNA) des Virus, welche genetische Informationen des Virus trägt, die dann verbreitet werden. Das wurde durch das Forschungsteam nun im Blut und in Herzzellen nachgewiesen. Ob auch andere Organzellen so angegriffen werden, wird sich in Folgeexperimenten herausstellen.
Außerdem haben die Forscher:innen aus Bochum die existierende Erkenntnis des alternativen Wegs in die Zellen über das Protein Neuropilin-1 (NRP-1)  bestätigt. Dadurch wird deutlich, dass das Virus mehrere Wege zur Verfügung stehen, in den Körper und die Organe vorzudringen. Zusätzlich betont Dr. Hamdani: „Die Infektionsanfälligkeit wird zusätzlich durch eine entzündete und oxidierte Zellumgebung begünstigt, wie sie häufig bei älteren Menschen, Menschen mit Bluthochdruck, Diabetikern oder Adipositas-Betroffenen vorkommt“. Nicht nur steige die Infektionsanfälligkeit, sondern zusätzlich auch das Risiko, an Corona und einer damit zusammenhängenden Herzerkrankung zu sterben.

Der Weg über die extrazellulären Vesikel, lässt einen vielversprechenden Therapieansatz vermuten. Das Ziel ist, den Vesikeln mittels eines Medikaments Antikörper, Anti-Oxidantien und Entzündungshemmer zu verabreichen. Das soll zur Folge haben, dass Entzündungswerte sinken, die Verbreitung des Virus aufgehalten und das Immunsystem angeregt wird. Darüber hinaus soll es variantenübergreifend einsetzbar sein, also auch bei den Mutanten wirken.  

:Lukas Simon Quentin