Hooligans an der Uni
Philosoph Hegel lockt Staatsgewalt
Foto: Akafö
Ausnahmezustand: Hegel-Hooligans besetzten Audimax-Forum. Foto: Akafö
Ausnahmezustand: Hegel-Hooligans besetzten Audimax-Forum.
Auf untypische Weise wurde vergangenen Mittwoch das Universitätsgelände heimgesucht. „Hegel-Hooligans“, stilecht mit Schal und Kutte, marschierten anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Kulturbüros boskop über den Campus und skandierten: „Wir haben euch was mitgebracht: Geist, Geist, Geist!“
 
Diese Art des Hooliganismus hätte allerdings, so Initiator und Aktionskünstler Matthias Schamp, nichts mit dem gemeinen „Schwachmaten-Hooliganismus“ zu tun und verhielte sich „geradezu antithetisch dazu“, sei hier doch nicht die Rede von Hass oder üblichem Hooligan-Gewäsch. Vielmehr sollte mit der Aktion Georg Wilhelm Friedrich Hegel, einer der wirkmächtigsten Philosophen der neueren Philosophiegeschichte, geehrt werden. Anlass dafür war ein Ungleichgewicht in der gesellschaftlichen Wahrnehmung: „In einer Zeit, die sonst nur physische Leistungen frenetisch bejubelt, wurde mit der Aktion ein Zeichen gesetzt: Wenigstens einmal sollte eine geistige Leistung ebenso lautstark gefeiert werden“, sagt Schamp. Als Heimat des Hegel-Archivs eigne sich unsere Uni für eine solche Aktion umso mehr.

Bedrohliche DenkerInnen

„Und weil Hegel auch in der Rechtsphilosophie eine große Nummer ist, wollte sogar die Polizei zum Erfolg der Aktion beitragen“, sagt der Aktionskünstler über das Folgende. Nachdem die nicht mehr als ein Dutzend zählenden Hooligans ihre Kundgebung auf dem Audimax-Forum beendet hatten, passierten sie  verschiedene Cafeterien und zogen so die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich. Diese erhielt „Kenntnis von einer Gruppe Hooligans“ auf dem Gelände der RUB, so Frank Lemanis, Pressesprecher der Polizei Bochum. „Da der Polizei zu dieser Zeit keine Informationen über eine künstlerische Aktion vorlagen, entsandte die Leitstelle mehrere Streifenwagen.“ Vor Ort hätten sich die tatsächlichen Beweggründe aber schnell aufgeklärt. 
 
:Tobias Möller