LGBT* an der RUB
Queere Geschichte made in Bochum
Bild: Presse- und Informationsamt der Stadt Bochum
RUB-Studierende im Jahr 1970 – der Beginn der dritten deutschen Homosexuellenbewegung.

HAG. Letztes Jahr feierte die Homosexuelle Aktionsgruppe Bochum (HAG) ihr 50. Gründungsjubiläum. Nicht nur gab die Gruppe den damaligen Teilnehmer:innen einen sicheren Ort, auch beeinflusste die HAG die Geschehnisse der deutschen queeren Geschichte. 

Die Strafrechtsreform des §175 StGB ist 1969 der damalig größte Erfolg für die homosexuelle Szene. Beginnend ab dem 1. September 1969 waren homosexuelle Handlungen unter Männern über 21 nicht mehr unter Strafe gestellt. Diese Reform war ein großer Erfolg, der Ereignisse wie die Gründung der Homosexuellen Aktionsgruppe Bochum (HAG) überhaupt ermöglichte.
Es ist der 15. Dezember 1970, als (queere) Geschichte in Bochum geschrieben wird: an diesem Tag findet das erste Treffen der HAG statt. Ins Leben gerufen wurde das Treffen von zwei lesbischen Frauen, eine davon W. Z.*, zwischen acht und zehn Studis waren bei dem ersten Treffen anwesend. Die HAG war ein Ort für homosexuelle Studierende, um sich kennenzulernen und auszutauschen. Nach einigen erfolgreichen Treffen, im Wintersemester 71/72, registriert sich die HAG als eingetragene Hochschulgruppe. 

Um auf die Gruppe aufmerksam zu machen, veröffentlicht die damalige Redaktion der :bsz Artikel über die Situation Homosexueller in- und außerhalb der Universität. Auch plakatierte die HAG die Außenwände der RUB mit ihren Plakaten – die jedoch jede Nacht verschwanden. Die HAG hatte es nicht immer leicht. Neben den verschwundenen Plakaten erhält die Gruppe einen Brief aus Bremen: eine Kaffeerösterei namens „Kaffee HAG“ versucht der Studierendengruppe ihren Namen zu unterbinden.
Das Jahr 1971 ist ein bedeutendes Jahr für die Mitglieder der HAG. Nachdem sich die Gruppe nach außen hin öffnet und Studierende, sowie nicht-Studierende aus anliegenden Städten, zu den Treffen können, werden zwei Studierende aus Münster, Karl Wilhelm Reiß und Roman Eck, auf die Gruppe aufmerksam. Als die beiden an die Universität in Münster wechseln, gründen sie dort die „Homophile Studentengruppe Münster“ (HSM). Die Mitglieder der HSM und die Proteste sind die Geburtsstunde des Christopher-Street-Days in Deutschland. Dadurch trägt nicht nur die HAG, sondern auch die HSM zur Etablierung der dritten deutschen Homosexuellenbewegung bei. 

Im Spätsommer 1971 entsteht in Bochum Weitmar eine schwule WG. Die „Bella-WG“ in der Isabellastraße 16 ist nicht nur ein Ort, an dem Homosexuelle leben, sondern auch ein Ort, an dem die großen Namen der homosexuellen Bewegung zusammenkommen. Reiner Plein, Frank Ripploh und Martin Dannecker sind nur einige bekannte Namen, die die Bella-WG nicht nur als Ort für Studi-Parties nutzen, sondern auch für Treffen von Gesandten verschiedenster homosexueller Initiativen aus anderen Städten. Sogar das Radio und Fernsehen waren an der WG interessiert und sie erhielt einige Anfragen, unter anderem vom Westdeutschen Fernsehen (WDF), dem Vorläufer des heutigen WDRs.
Die HAG ebnete den Weg für die heutigen queeren Gruppen und Veranstaltungen an der RUB. Neben Veranstaltungen wie dem schwulen Sektempfang, gibt es auch die Gruppe „Queer an der RUB“, die als Ort zum Austausch an die HAG erinnert. Zusätzlich setzten sich das Autonome Frauen*Lesben Referat (AFLR), das Autonome Schwulenreferat (ASR) und das Projekt RUB bekennt Farbe anhand von Workshops und Veranstaltungen für queere Themen ein.

* Auf Bitte anonymisiert.

:Augustina Berger