Ab 26. Mai im Kino: Aufrüttelnder Dokumentarfilm „Sonita“
Rap als Rettung
realfiction
Bewegend und hoffnungsvoll: Der Dokumentarfilm „Sonita“ läuft ab dem 26. Mai auch im Ruhrgebiet.

Wenn die Realität die filmische Darstellung einholt: „Der Dokumentarfilm „Sonita“ zeigt nicht nur einen inspirierenden Ausweg aus  der Frauenunterdrückung. Das Projekt von Regisseurin Rokhsareh Ghaem Maghami wird sicher auch unter FilmemacherInnen für kontroverse Diskussionen sorgen.

Ekstase, ausgelassene Stimmung, die Massen jubeln ihr zu. Sonita begutachtet ein paar Konzert-Fotos. Wie so oft träumt sie davon, selbst auf der Bühne zu singen. Das Gesicht von Rihanna auf dem Foto überklebt die 19-Jährige mit ihrem eigenen Porträt.

Ihre Realität sieht dagegen düster aus: Seit sie aus Afghanistan geflohen ist, lebt die illegale Migrantin mit ihrer Familie im Iran – ohne Papier, ohne offizielle Schulbildung, ohne wirkliche Perspektive. Ihr sehnlichster Wunsch ist jedoch, eine Rapperin zu werden. Ihre Familie kommt allerdings nicht über die Runden und kann die Miete für die Wohnung nicht mehr bezahlen. Um über die Runden zu kommen, will ihre Mutter sie für 9.000 Dollar an einen unbekannten Ehemann verkaufen. Sonita wendet sich schließlich an das Filmteam, ihr Geld zu leihen, um ihr für ihre Musikpläne Zeit zu verschaffen.

Eingriff in Realität

Wenn man so will, ist „Sonita“ gerade deswegen ein Projekt, dass unter Dokumentarfilmen so außergewöhnlich ist, weil es scheitert: Die eingefangene Realität entwickelt einen Sog, der die Regisseurin aus der Passivität reißt. „Ich bin hier, um die Realität zu filmen. Ich finde es nicht richtig, wenn ich in dein Leben eingreifen würde“, erwidert Rokhsareh Ghaem Maghami zunächst noch auf die Bitte der jungen Frau.

Radikales, feministisches Dokumentarkino, das nachhallt: „Sonita“ zeigt nicht nur mitreißend, wie die junge Rapperin trotz der Widrigkeiten eines patriarchalischen Systems versucht, ihren Traum zu verwirklichen; der dramatische Grenzgang zwischen bloßer filmischer Wiedergabe und einmischender Zivilcourage wird sicher auch unter RegisseurInnen für kontroverse Diskussionen in der eigenen Kunst sorgen. So viel hat Sonita schon mal mit ihrer Musik erreicht.

„Sonita“ läuft ab 26. Mai unter anderem im Endstation Kino

:Benjamin Trilling