Zu dritt im Kreis gedreht.
Rede ohne Inhalt
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Vorhang auf: die mediale Aufbereitung lässt die Wahl wirken wie eine Casting - Show.

Kommentar. Der diesjährige Wahlkampf lässt eine:n ratlos und ermüdet zurück.

Bei den letzten Bundestagswahlen war die Kanzler:innenfrage eigentlich reine Formsache, denn Merkels Sieg blieb trotz zwischenzeitigen Aufbäumens von Männern wie Steinbrück oder Martin Schulz stets ungefährdet. Dieses groteske Machtverhältnis hat jetzt allerdings ein Ende, denn die Umfragen weisen auf einen Wahlkampf hin, der so spannend ist, wie viele von uns es wohl noch nie erlebt haben. Es besteht eine sehr realistische Möglichkeit, dass die CDU in der kommenden Legislaturperiode nicht mehr an der Macht sein wird, denn Armin Laschet schlägt sich als Kanzlerkandidat so schlecht, wie kaum eine:r seiner Gegner:innen zu hoffen gewagt hätte. Also die perfekte Chance, um jetzt klar zu zeigen, was in der CDU schon seit Jahren inhaltlich vollkommen falsch läuft, denn Merkels „Mutti“-Faktor ist verpufft.

Doch weil auch die Unterstützer:innen der CDU das gemerkt haben, wird krampfhaft die Aufmerksamkeit auf die Personen hinter den Wahlprogrammen gelegt. Dabei hatte man sich nur deutlich verkalkuliert, indem man die Grünen als einzige Bedrohung für den eigenen Sieg gesehen hatte, um sich dabei dermaßen um jeglichen noch so banalen Fehltritt von Baerbock zu kümmern, dass Scholz dabei völlig vergessen wurde. Mittlerweile wirkt er für viele wie die einzige Alternative zwischen zwei Politiker:innen, die aus rein persönlichen Gründen nicht „Kanzler können“. Die Berichterstattung tut ihr Übriges dazu, denn bei den Triellen wird sich mehr mit der Berechnung der Redezeit auseinandergesetzt als mit den Antworten der Kandidat:innen. Am Ende braucht es Kinder, um kritische Interviews zu führen, damit sich die sonst von ihren eigenen Reden gelangweilten Politiker:innen nicht auf ihr übliches Repertoire beschränken können. Immerhin kann man so eine gewisse Verlegenheit aus ihnen herauskitzeln, die man im Gespräch mit Maybrit Illner oder Oliver Köhr nicht erleben wird. Regieren wird am Ende wohl tatsächlich einfach derjenige:diejenige, der:die am wenigsten medial gemobbt wurde. 

:Henry Klur

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