brink Magazin verbindet zum dritten Mal Kunst und Wissenschaft
Wider das Schweigen der Wissenschaft
Foto: koi
Schon gelesen? Das neue brink-Magazin ist ab jetzt erhältlich.
Schon gelesen? Das neue brink-Magazin ist ab jetzt erhältlich.

(mar) Vor kurzem erschien die dritte Ausgabe eines der spannendsten Projekte aus studentischer Initiative: brink, das Magazin zwischen Kunst und Wissenschaft. Es sieht wie gewohnt gut aus, hat Fotografien, Interviews, Essays und mehr zu bieten und wirft damit vielleicht mehr Fragen auf als es beantwortet. Zum Glück – weil es anregt, sich selbst mit der Materie auseinanderzusetzen. Denn fragen ist besser als schweigen.

„brink hat seine Wurzeln im Schweigen an den Universitäten, der Unmöglichkeit selbst sehen und sprechen zu dürfen und den fehlenden oder gescheiterten Dialogen zwischen Kunst und Wissenschaft. Es ist ein Projekt von Studierenden, die einen neuen Ort der Rede und der Sichtbarkeit erschaffen wollten und mit brink Magazin zwischen Kunst und Wissenschaft eröffnet haben.“ Das ist die kurze Beschreibung des Projekts auf der Homepage des Magazins.

Den Idealen, den Ideen, aus denen heraus brink entstand, sind die HerausgeberInnen treu geblieben. Schon die erste Ausgabe mit dem vielschichtigen und programmatischen Titel „das andere sehen“ entstand aus der Enttäuschung über die Art und Weise, wie die Kulturwissenschaften mit ihrem Gegenstand umgehen: distanziert, ohne Berührung, vielleicht sogar sich selbst genügend. Das Bild von der Wissenschaft im Elfenbeinturm drängt sich geradezu auf.

Den Elfenbeinturm einreißen!

brink reißt aus diesem Turm aus und ihn nieder. Die MacherInnen bringen die theoretische Auseinandersetzung mit Kunst und die Kunst zusammen. Der Psychologe und Autor Bas Kast referiert in vier Punkten über „Inspirierende Bauten“, über die psychologischen Vorgänge hinter Inspiration und Architektur, unterbrochen von grafischer Kunst von Julia Schwarz, die den Titel trägt: „Dabei gibt es keine Fakten, und hier sowieso nicht. Hier ist alles von jemand erfunden. Alles jemandes idiotische Erfahrung, spüren Sie denn das nicht?“ Darauf folgt Kulturjournalismus im klassischen Sinne: Ein Interview mit der schweizer Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin Bice Curiger. Auch hier ist der rote Faden deutlich und unübersehbar; es geht um Fragen wie „Was kann die Kunstgeschichte von der Kunstkritik lernen?“

Zugegebenermaßen kann beim Lesen der Eindruck entstehen, das sei irgendwie alles etwas viel Metaebene, etwas viel Reden über Kunst, etwas viel Grundsätzliches. Da aber die Kunst selbst, in Form der genannten Grafiken aber auch Fotos, Collagen und Zeichnungen oder Literatur, genug Raum im Heft hat, verfliegt dieses Gefühl schnell.

Ist das noch Design oder schon Kunst?

Die Gestaltung des Heftes an sich ist schon außergewöhnlich: „von der beständigen wiederkehr der unruhe“ lautet der Titel der aktuellen Ausgabe. Und tatsächlich finden sich wenige Seiten nach der Aufgeräumtheit von Philipp Buckstegens „Ordnung“-Fotoserie wuselige Bilder, roter und bunter Text in außergewöhnlichem Satz. Dann wieder muss das Heft um 90 Grad gedreht werden, um auf blauem Hintergrund das orangefarbene Gedicht von Eva Koethen lesen zu können. Die Unruhe kehrt tatsächlich ständig wieder. Ist das bloß „gutes Design“ oder ist das auch schon Kunst? In jedem Fall ist es beständig, denn das außergewöhnliche Layout war schon bei der ersten Ausgabe ein echter Blickfang – der den Blick auch so schnell nicht wieder losgelassen hat.

Kultur hat verschiedene Blickwinkel

Das Magazin bricht Schranken auf, die Kunstbetrieb und Wissenschaft künstlich – und unnötig – aufgebaut haben. Mitmachen kann jedeR; geraume Zeit vor der Veröffentlichung einer Ausgabe gibt es einen öffentlichen Call for papers, sodass die Beiträge von KünstlerInnen wie WissenschaftlerInnen, aber auch Student­Innen kommen. Dank gewissenhafter Redaktion leidet die inhaltliche Qualität des Heftes nicht darunter, sondern kann durch diese Vielfalt der Perspektiven nur gewinnen. Anscheinend geht das Konzept immer wieder auf. Das geht so weit, dass „brink Magazin“ ergänzt wird durch „brink Ereignis“. Schließlich gibt es ja noch so viele Kunstformen, die nicht in einem Magazin abgebildet werden können. Performances zum Beispiel leben nun einmal von ihrer performativen Natur. Und letztlich geht es auch um das Miteinander, um den Dialog, um das Kennenlernen und Verbinden.

„brink Magazin zwischen Kunst und Wissenschaft“ ist bundesweit in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich, in Bochum z. B. im Campuscenter vor GA oder bei Janssen im Bermudadreieck (Brüderstr. 3), oder kann direkt online für 7 Euro bestellt werden.

Weitere Informationen zum brink-Magazin im Internet unter:
www.brinkmagazin.de

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