Der DFB setzt mal wieder auf Altbekanntes
Wo bleibt der Wandel?
Bild: hakl
Wann kommt der fünfte Stern? Der DFB wartet auf ein Wunder.

Kommentar. Die Europameisterschaft im Fußball ist gestartet und Deutschland zählt aus guten Gründen nicht mehr zum Favoritenkreis.

Nach der desaströsen WM 2018 durfte Löw trotzdem seinen Posten als Bundestrainer behalten, unter anderem wohl, weil sein Vertrag schon im Vorhinein bis zur WM 2022 verlängert wurde. Als amtierender Weltmeister hatte man nicht mit einer solchen Blamage gerechnet, doch man setzte lieber auf alte Bekannte wie den 33-jährigen Mario Gomez und ließ im Gegenzug den in der Premier League für Furore sorgenden Leroy Sané zu Hause. Daraufhin versprach Jogi Löw den großen Umbruch, der daraus bestand, einige große Namen, die 2014 zur Weltmeistermannschaft gehörten, aus dem Kader zu streichen. Bis heute führte die versuchte Verjüngung der Nationalmannschaft dennoch absolut nicht zu einer Verbesserung. In der Nations League wurde regelmäßig gezeigt, dass man nicht mehr mit der Weltspitze mithalten kann, während sogar die Qualifikation für die WM 2022 auf dem Spiel steht, nachdem man vor kurzem noch gegen EM-Neuling Nordmazedonien verlor.
Folglich kündigte der deutsche Trainer an, dass es sich bei der EM um sein letztes Turnier handeln werde, womit er seine rekordlange Amtszeit von 15 Jahren freiwillig beendet. Wegen fehlender Alternativen musste er dafür sogar die eigentlich ausgedienten Hummels und Müller aus dem Nationalmannschaftsruhestand zurückholen. Die Namen im deutschen Trikot zeugen durchaus von Qualität, doch die zeigt sich in den letzten Jahren nur im Vereinsfußball und kann nicht auch noch auf die internationale Ebene übertragen werden. Dazu kommt noch die absolute Todesgruppe, in der Deutschland gegen Weltmeister Frankreich und den amtierenden Europameister Portugal antreten muss, wobei in der aktuellen Form auch ein Sieg gegen Außenseiter Ungarn schwierig werden könnte. Offiziell arbeitet man ja sowieso nur auf die WM im nächsten Jahr hin, doch ein Ausscheiden im Achtelfinale kann hier nicht das Ziel sein.
Löw konnte das Versprechen des Umbruchs nicht einhalten, deswegen soll seine Ära nun enden. Statt einer echten Veränderung, folgt jedoch sein langjähriger Co-Trainer. Es ist sehr typisch für die Bundesrepublik, die in diesem Jahr zunächst einigen Wandel versprach. Das Land schien sich in diesem Jahrtausend kaum von der Stelle zu bewegen und wurde von den immer selben Gesichtern begleitet. Die drei festen Institutionen Merkel, Bohlen und Löw verabschieden sich von der Öffentlichkeit, doch der vermeintliche Neuanfang besteht aus Laschet, Gottschalk und Hansi Flick. Damit bleibt also höchstwahrscheinlich alles beim Alten. Natürlich hat Flick ein gewisses Talent unter Beweis stellen können, als er bei seiner ersten Stelle als Cheftrainer mit dem FC Bayern direkt das Triple gewinnen konnte. Doch enttäuscht die unerträgliche Vorhersehbarkeit der Entscheidung, deren Verkündung wahrscheinlich lediglich aus Prinzip unnötig in die Länge gezogen wurde. Schließlich handelt es sich um Löws langjährigen Co-Trainer und der DFB liebt nun mal die Bayern.
Die Aussichten auf langfristige Verbesserung sind noch nicht zu spüren, deshalb können wir gespannt sein, ob Flick eine ähnlich gedehnte Amtszeit antritt wie sein Vorgänger. Dabei ist Deutschland durchaus verwöhnt mit Star-Trainern wie Klopp, Tuchel oder Nagelsmann. Doch die haben allesamt keine Lust auf den unattraktiv gewordenen Posten und wollen lieber mit Clubs Titel sammeln. Mit der deutschen Nationalmannschaft ist diese Ambition schließlich in weite Ferne gerückt.

:Henry Klur

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