Kultur
Rundlauf Bochum auf Pfingsten verschoben – Generalprobe am 1. bis 3. Mai braucht Hilfe
Schöpfungsakt im Bunker: Das Rundlauf-Festival belebt alte Gebäude neu. Foto: joop

Stimmen sind zu hören, irgendwo aus den Eingeweiden des Hochbunkers an der Haldenstraße, aber woher sie kommen, bleibt zunächst rätselhaft. Erst nach einigem Irren durch verschiedene Räume treffe ich auf das dreiköpfige Aufräumkommando, das einen der Kellerräume für Video- und  Lichtin­stallationen freiräumt. Bühnenelemente, Kisten und Holzpaletten von vorherigen Ausstellungen müssen weggeräumt werden; Bauschutt muss beseitigt und alte Kabel müssen eingesammelt werden. Kulturarbeit ist eben auch Maloche, gerade in Spielstätten wie dem Hochbunker oder der Alufabrik an der Robertstraße, die ebenfalls für das Rundlauf-Festival aufgeräumt wird. Am Samstag hätten sie zu sechst gearbeitet, am Sonntag nur zu dritt, verraten Samira Yildirim und Julia Nitschke vom Organisationsteam. Die Zeit wird knapp, denn am Mittwoch sollen Bauamt und Feuerwehr den Bunker für den Rundlauf ab dem 1. Mai inspizieren. Dabei stand das Festival noch vor wenigen Tagen vor der Absage.

Werksquerschnitt des Avantgarde-Künstlers Kasimir Malewitsch noch bis Juni in Bonn
Zwei Selbstportraits von Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch (1879–1935): links an der Schwelle zum Kubofuturismus, rechts mitten im Suprematismus.

Kreise und Rechtecke, Kreuze und Dreiecke in verschiedenen Farben sind auf einer Leinwand arrangiert: gleich mehrere solcher sogenannten „suprematistischen Kompositionen“ von Kasimir Malewitsch bilden das Herzstück einer Ausstellung, welche die Bonner Bundeskunsthalle dem Avantgarde-Künstler gewidmet hat. Noch bis 22. Juni dauert die Ausstellung, ein Ausflug in die alte Bundeshauptstadt – mit freier Fahrt dank NRW-Ticket – lohnt sich.

Walter-Benjamin-Hörspiel beim SWR 2
Portait an seinem Sterbeort Portbou (Spanien): Walter Benjamin (1892–1940). Foto: Wikimedia Commons, Jordi coll Costa (PD)

Der Erste Weltkrieg erschütterte nicht nur den Fortschrittsoptimismus vieler MarxistInnen. Für Walter Benjamins posthum publizierte Thesen „Über den Begriff der Geschichte“ ist der erste Weltkrieg der anfängliche Erfahrungsraum eines negativen Geschichtsbegriffs, der sich bis in die faschistische Barbarei erstreckt. Als Marxist lanciert Benjamin den Begriff einer negativen Theologie, die, ausgehend von Prämissen jüdischer Tradition, den Geschichtsverlauf als einen Katastrophenprozess beschreibt. Katastrophal ist dieser Verlauf vor allem für die Unterdrückten, weswegen Benjamin einen revolutionären Messianismus artikulierte, auch als Erfahrungsraum für das Eingedenken.

Beispielhafte Gesellschaftskritik: Joon-ho Bongs Snowpiercer
Cineastischer Denkanstoß: Snowpiercer läuft seit dem 3. April in den deutschen Kinos. - Quelle: Thimfilm

Nach einem missglückten Experiment, das eigentlich die globale Erderwärmung aufhalten sollte, wird die Welt in eine neue Eiszeit gestürzt: 2031 haben Eis und Kälte das Leben auf dem gesamten Planeten nahezu ausgelöscht. Lediglich ein riesiger Zug, angetrieben von einer unerschöpflichen Maschine, pflügt auf einem weltumspannenden Schienennetz durch die totbringende Eiswüste. In sich trägt er die letzten Überlebenden, einer längst vergangenen Welt.

Spannende Beiträge beim Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund / Köln
Ausschnitt aus dem Film Present Tense, der unter der Rubrik Fokus-Türkei lief. - Quelle: IFFF-DortmundKöln

Filme können über den Platz einer Frau in einer Gesellschaft reflektieren. Das wirkt umso interessanter, wenn auf der Leinwand eine Welt zu sehen ist, die sich im Umbruch befindet: Wenn der Film den Wandel des Zeitgeistes einfängt und zeigt, wie alte Formen bereits die neuen in sich tragen, - oder überraschen, wie obsolet das Alte im Lichte des Neuen erscheint. Wenn alte Herrschaftsweisen ins Wanken geraten und sich alternative Lebensformen anbieten, der Umbruch für einige ProtagonstiInnen Aufbruch bedeutet, kann der Film spannende Perspektiven einnehmen. Zu sehen war dies beim diesjährigen internationalen Frauenfilmfestival Dortmund / Köln. Auch wenn die Preisverleihungen sowie ein Großteil des Programms in Köln stattfand, so wurde im Dortmunder Kino im U eine Auswahl von Festivalbeiträgen gezeigt.

Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern geht den Dingen auf den Grund
Bergbau: Hier hat sich der Mensch die Unterwelt zu eigen gemacht ­ – nicht ohne Risiko. Foto: dh

Der Ausstellungsort passt zum Thema: Unterwelten auf Zeche Zollern – da denkt der Besucher an Bergwerkstollen, verstaubte Kohlengesichter, unterirdische Gleissysteme. Doch „Über Unterwelten“ zeigt seit Ende März mehr als die Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet. Die Schau erklärt Mythen und religiöse Vorstellungen über die Welt unter unseren Füßen.

Auf der Suche nach der verlorenen Lust: Lars vor Triers „Nymphomaniac 2“
Quelle: Concorde Filmverleih GmbH

Womit schon der Psychoanalytiker Jaques Lacan irritierte, gilt auch für Lars von Triers über vierstündiges Sex-Epos: „Die Frau existiert nicht“. Denn oft wurde dem Dänen vorgeworfen, dass seine Inszenierungen sexistisch seien. Die Quasi-Personifizierung der Depression durch Kirsten Dunst in „Melancholia“, aber auch die verzichtbaren Verstümmelungs-Szenen im „Antichrist“ sprechen dafür

Why we fight: Theo Aladags „Zwischen Welten“ thematisiert den Afghanistan-Einsatz
Quelle: Majestic Filmverleih

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Da werden die Interessen Deutschlands in Afghanistan gesichert und der hiesige Film schaut zu? Nein. Auch die deutsche Filmkunst wird am Hindukusch verteidigt. Feo Aladag („Die Fremde“) erzählt den Kriegsalltag deutscher Bundeswehrsoldaten.

Das „Richtungsding“ belebt die Literaturszene im Pott – mit Schreibwettbewerb und mehr
Wartet auf Texte aus dem und über den Norden: Die "Richtungsding"-Redaktion, betsehend aus (v. l.) Lina Brünig, Benjamin Bäder, Fabian May, Markus Behr, Jan-Paul Laarmann, Sarah Meyer-Dietrich. Foto: Richtungsding

Bitte folgen! Auf dem weißen Grund prangt ein schwarzer Pfeil sowie der Titel: Das „Richtungsding“ ist eine Literaturzeitschrift aus dem Ruhrgebiet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das kreative Pott-enzial des Reviers (und darüber hinaus) zu bündeln, junge Literatur zu fördern und Netzwerke zu schaffen. Neben dem aktuellen Schreibwettbewerb zur Sonderausgabe zum Thema „Norden“ hat sich das sechsköpfige Team für dieses Jahr noch eine ganze Menge mehr einfallen lassen.

Neue Anekdoten von Mahler
Nicolas Mahler:  „Franz Kafkas nonstop Lachmaschine“. Cover: Reprodukt

Der vierte autobiografische Sammelband von Nicolas Mahler, „Franz Kafkas nonstop Lachmaschine“, ist genau das Richtige für verkopfte LiteraturwissenschaftlerInnen. In 15 Kapiteln plus Prolog, Epilog und „Materialien“-Anhang erzählt der Wiener Comiczeichner aus seinem Leben zwischen Hoch- und Trivialkultur, zwischen abgehobener Theorie und bodenständiger Naivität.

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