Kultur
„Comics zur Lage der Welt“: Supervielfalt!
Le Monde Diplomatique:  „Comics zur Lage der Welt“. Cover: Reprodukt

Was bewegt die Welt? Was bewegt die Menschen, die auf ihr herumtrampeln, walten und wüten, lachen und träumen? Die „Comics zur Lage der Welt“, eine Sammlung von bildlichen Kommentaren aus der internationalen Monatszeitung „Le Monde diplomatique“ der letzten vier Jahre, beziehen auf vielfältigste Weise Stellung zu diesen Fragen. Nicht immer liefern sie eine Antwort; sie zeigen neue Perspektiven, geben Denkanstöße oder werfen einfach Rätsel auf.

Sex und Sühne: Lars von Triers „Nymphomaniac 1“
Pornographie oder Filmkunst? Lars von Triers „Nymphomaniac“ spaltet die Gemüter. Foto: © Christian Geisnaes, Concorde Filmverleih

Da ist man quasi arbeitslos. Als Berufsprovokateur wie Lars von Trier hat man es wirklich nicht einfach in einer Gesellschaft, in der Psychologen Sexsucht und Soziologen eine Pornographisierung diagnostizieren. Kann man da noch mit Sex provozieren? Vielleicht. Man vermengt die Parameter: Ist das noch Filmkunst? Oder schon Pornographie? Lars von Trier bläst mit „Nymphomaniac“ zur intellektuellen Mobilmachung. Jedem Orgasmus sein Aphorismus, jedem Fellatio seine Sentenz. In einem über vierstündigen Zweiteiler werden hier vor allem provokativ Fragen aufgeworfen, die die Krux mit der Lust durchdeklinieren – wenn das absolute Begehren ins Leere läuft.

„Nilufar“ von Mahmud Doulatabadi überschwemmt den Leser
Zieht seine Leserinnen und Leser in einen wirbelnden Strom von Gedanken und Gefühlen: Der iranische Schriftsteller Mahmud Doulatabadi. Foto: Stephan Wallocha

Auf den Verrat einer Frau folgt Verfall und Verdammnis: Der IranerMahmud Doulatabadi erzählt in dem Roman „Nilufar“ von den unsäglichen Qualen eines liebenden Mannes. Es gibt nichts Schöneres, als jemanden zu lieben und von diesem Jemand im gleichen Maße zurückgeliebt zu werden. Doch was passiert, wenn die Waage aus dem Gleichgewicht gerät? Wenn diese eine Person, nach der Du Dein ganzes Leben lang gesucht hast, Deine zweite Hälfte, sich unverhofft gegen ein Leben mit dir entscheidet?

Umbruch und Neukoordinierung: Essen, Dortmund und Oberhausen als Vorreiter
Arbeit zwischen den Kulturen mit Spaßfaktor – auch wenn das Kulturzentrum Grend in Essen-Steele zehnmal soviel Fördermittel erhält wie das Katakomben-Theater Essen: Johannes Brackmann (Geschäftführer Grend) und Kazım Çalışkan (Leiter des Katakomben-Theater) bei einer Podiumsdiskussion im Grillo-Theater Essen. Foto: Yavuz Arslan

Längst haben die Leuchtturmprojekte der Kulturhauptstadt an Strahlkraft verloren, und die „Interkulturabteilung“ der Ruhr.2010 GmbH tritt als solche nicht mehr in Erscheinung. Die Staffel wurde an den Regionalverband Ruhr (RVR) übergeben, und dieser zeigt bisher kein Profil. Auch das Schauspielhaus Bochum als einstiger kultureller Impulsgeber der Stadt hat sich im Bereich der Interkultur verspekuliert. Während hier auf diesem Gebiet Konzeptlosigkeit vorherrscht, blüht in den Nachbarstädten neues interkulturelles Leben. Die :bsz hat einen der Hauptakteure, Uri Bülbül vom Katakomben-Theater Essen, zu den aktuellen Entwicklungen auf diesem Sektor befragt.

Studierende präsentieren Macbeth-Premiere im Theater an der Rottstraße
Wahnsinn und Machthunger: Macbeth wütet im Theater unter den Bahngleisen. Foto: © Sabine Michalak

Eine kurze Unterbrechung ist notwendig, zum Verschnaufen. Macbeth ist hier ein Burn-out-Tyrann. Da braucht‘s erstmal eine Zigarettenpause. Direkt vor der ersten Reihe wird sich hingehockt, ein paar Schlucke aus der Wasserflasche, langsame Zigarettenzüge, bevor es mit einem fetten Monolog weitergeht. Mit dem blauen Dunst werden die shakespeare‘schen Blankverse in den Bühnenraum entlassen. Macbeths Untergang steht bevor, ist ihm längst in die Glieder gefahren.

Beim audiovisuellen Spiel mit Extremen gibt’s Grenzerfahrung zum Mitmachen
Formen und Farben fließen: Bunte Installationen im Wittener Treff.	Foto: dESTRUKTIVA

Dunkelheit und Stille werden aufgebrochen: In langsamen Klangfolgen dröhnt übersteuerter Gitarrenlärm, dazu brennt sich die unpassend schnelle Abfolge von Lichtblitzen aus einem Stroboskop in die Netzhaut. Der Kodiak-Ableger Nightheart macht Drone, ein extremes Subgenre von Doom Metal. Neben acht weiteren Acts werden die zwei Musiker am Samstag (15. Februar) im Kulturzentrum Treff in Witten spielen. Und genau wie ihre Musik werden auch die experimentellen Klänge ihrer Künstler-KollegInnen aus den Bereichen Noise, Elektro und Krautrock schwer zugänglich sein. Jeder Annäherungsversuch aber ist ein Wagnis, das sich lohnen könnte. Nicht zuletzt, weil das Publikum eingreifen darf. Mit einfachen Licht-Installationen können die Gäste nach Gusto den sonst dunklen Raum bespielen.

Groteske Inszenierung sowjetischer Politik der 20er Jahre
Minimalistisch, aber nicht öde: Die Theatergruppe des Lotman-Instituts. Foto: kac

Am kommenden Wochenende, den 8. und 9. Februar, findet die Wiederaufnahme des Theaterstücks nach Bulgakows „Hundeherz“, einer düsteren Satire mit Frankenstein-Anleihen, auf der Studiobühne der RUB statt.  Die Lotman-Theaterguppe inszeniert eine Organtransplantation auf offener Bühne.

:bsz-Nebenjob-Serie: „Alles außer kellnern“ – Teil III
„Es gibt keine Rose ohne Dornen“: Der Lehrbuchtitel verrät schon, dass es im Polnischen viele Ausnahmen von der Regel gibt. Foto: kac

Je weiter hinten man im Klassenzimmer sitzt, umso leichter sollte es eigentlich fallen, im Notfall ein wenig zu mogeln. Könnte man meinen, aber im 21. Jahrhundert werden auch diese einstigen Freiräume fürs Spicken nun kameraüberwacht. Vor allem dann, wenn LehrerInnen wie Katharina ihren SchülerInnen per Internet aus hunderten Kilometer Entfernung auf die Finger schauen. 

Eröffnung des Doku-Festivals „Stranger than Fiction“: Mano Khalils „Der Imker“
Präsentierte seinen Dokufilm „Der Imker“ im Endstation.Kino: der syrische Regisseur Mano Khalil. Foto: bent

Damit wäre das Filmjahr auch im Ruhrgebiet endgültig eingeläutet: Die 16. Ausgabe des Dokufilmfestivals „Stranger than Fiction“ präsentiert wieder ein breites Panorama des Dokufilms, egal ob internationale Filme oder Produktionen aus NRW. Schon traditioneller Austragungsort ist das Endstation.Kino in Bochum-Langendreer, das auch in diesem Jahr am Festivalstartwochenende beteiligt war. So wurde schon vor dem offiziellen Bundesstart an den Kinos die Preview-Vorstellung von Mano Khalils „Der Imker“ gezeigt – inklusive anschließendem Publikumsgespräch mit Khalil. 

Dokufilm über die Täter des Holocaust: „Das radikal Böse“
Gemeinsames Feierabendbier mit den Kameraden – nach den Massenexekutionen. Quelle: docMovie

Vorstellungen über das Böse werden vom Film gerne mitgetragen. Meist wird es als etwas Fremdartiges, das von außen auf die Menschheit stößt, mystifiziert, in Form furchteinflößender Wesen oder asozialer PsychopathInnen. So ist es erträglich. Mit Stefan Ruzowitzkys (Oscar für „Die Fälscher“) Dokumentar-Essay „Das radikal Böse“  ist es ausgerechnet ein Film, der das Böse ins Alltägliche einbettet – in der Auseinandersetzung mit der Massen­ermordung tausender Juden und Jüdinnen. Ausgehend von den Gedanken Hannah Arendts, von der ein Satz dem Film vorangeschickt wird, ist es die alltägliche Banalität, mit der sich das Böse vermengt – das Unmenschliche im Menschlichen.

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