Wie viel ist die Wohlfahrt wert?

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„Für jeden Euro, der an eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung geht, fließen 49 Cent an die Gesellschaft zurück. [...] Eine gute Alten- oder Suchtkrankenhilfe kann Krankenhauskosten reduzieren und die Volkswirtschaft dadurch entlasten, dass Angehörige weiter arbeitsfähig bleiben.“ Das haben ForscherInnen der Evangelischen Hochschule Nürnberg herausgefunden. Das Team um Prof. Klaus Schellberg hat dazu das SROI-Modell entwickelt. Das Kürzel steht für „Social Return On Investment“ und bildet den Wirtschaftsfaktor Wohlfahrt ab. Das Fazit der Gruppe: Soziale Einrichtungen unterstützen die lokale Wirtschaft und stärken durch ihre entlastende und berufsvorbereitende Wirkung die gesamte Volkswirtschaft.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf sollte die Geschäftsidee von morgen eigentlich klar sein: Um den ökonomisch für alle immens bedeutsamen Sprössling „Sozialwirtschaft“ nicht verdorren zu lassen, müssen Rohstoffproduzenten schon heute mit der Sicherstellung des Nachschubs beginnen. Im Klartext: Es müssen mehr bedürftige Menschen produziert werden.

Denn hier ist es keineswegs so bestellt wie mit dem konjunktursicheren Metier der BestatterInnen, SargträgerInnen und FriedhofsgärtnerInnen. Gestorben wird immer, aber Medizin und Technik schreiten in einem Tempo voran, dass es den SozialökonomInnen mulmig wird. Zwar sterben die Menschen später, sind dabei aber vorher weniger auf Hilfe angewiesen. Da gegenzusteuern, sollte nicht nur moralisch erste Bürgerpflicht, sondern auch wirtschaftlich gesehen die erste Priorität im Portfolio sein.

ZweiflerInnnen, die anmerken, dass 49 Cent pro investiertem Euro ja wohl kaum eine lohnenswerte Investition seien, sollte der Verweis auf die perspektivische Rendite verstummen lassen. Vielleicht ist es aber auch ganz gut, sein Vorhaben zunächst nicht an die große Glocke zu hängen. Schließlich möchte man sein junges Unternehmen nicht mit gleichgesinnten Start-Ups um Marktanteile rangeln lassen. Man kann sich als JungunternehmerIn in der Produktion bedürftiger Menschen entweder auf eine Gruppe spezialisieren oder die ganze Produktpalette abdecken. Wegen der hohen Lagerkosten ist aber so oder so eine „on demand“-Fertigung mit einem ausgefeilten Supply-Chain-Management vonnöten.

Ist der Businessplan erst einmal aufgestellt und die Finanzierung gestemmt, können zum Beispiel schon bald die ersten Menschen im Rollstuhl vom Band laufen. Möchte man auch Suchtkranke produzieren (wegen des lange andauernden Wirkungsgrads besonders beliebt), ist auf die lokalen Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes zu achten. Es empfiehlt sich daher, die Herstellung outzusourcen und Fertigprodukte aus Zuliefererländern en masse einzukaufen und mit passender sozialer Etikettierung zu versehen. Vorsicht ist allerdings geboten: Übermäßige Kontamination mit allzu aggressiven Chemikalien (z. B. Crystal Meth) kann die Lebensdauer des Produktes verkürzen und unter Umständen zu einer Regressforderung führen. Mittelschwerer Fusel und sauber produzierte Synthetika sind hier, die richtige Dosierung vorausgesetzt, die sichere Wahl. Generell gilt: Wer bei der Fertigung Zigaretten und Alkohol einsetzt, kann die Sektoren „Alterung“ und „Sucht“ unter Umständen paritätisch abdecken – ein echter Tipp!

Von der Produktion von TechnokratInnen und FinanzjongleurInnen sollte dagegen abgesehen werden. Mitglieder dieser Gruppen haben auch abseits der Sozialwirtschaft keinerlei ökonomischen Wert für die Gesellschaft.