Kolumne

 Nein Nein Nein! Unsere tausendste Ausgabe steht vor der Tür und der Wandel nimmt seinen Lauf. Es gibt noch immer viel zu tun und zu wenig Zeit. Was für Themen? Wie soll die neue Ausgabe aussehen? Werden wir unseren Verstand noch verlieren? Was sollen wir bloß tun?!

In meinen Sätzen wimmelte es vor lauter Schwänzen, Obelisken und Pershing-II-Raketen, aber die sind jetzt alle explodiert und ich sehe nur noch Sterne. Ich vermute, das bedarf einer Erläuterung.

Am Wochenende habe ich auf Europas größter Duftausstellung „Himmlische Düfte und Höllengestank!“ erfahren, dass Eizellen nach Maiglöckchen riechen. Ein Vortrag zum Thema „Wie Geruch unser Kaufverhalten beeinflussen kann“ weckte mein Interesse schon vorher. Auf dem Weg zum Blue Square in der Bochumer Innenstadt überlegte ich: Wo könnten überall Düfte eingesetzt werden?

Die ARD hat ihren Nachrichtensendungen ein neues Studio spendiert. Auf einer fast 18 Meter langen gekrümmten Leinwand, auf die Bilder, Videos und 3D-Grafiken projiziert werden können, und zwischen zwei geschwungenen Tischen präsentieren die NachrichtensprecherInnen der ARD seit Samstagabend sämtliche Tagesschau-Ausgaben, die Tagesthemen und den Wochenspiegel. Überhaupt wurde das Design modernisiert, die Eingangsmelodie etwa neu arrangiert. Die ARD hat sich alle Mühe gegeben, in den zwei Wochen zuvor Spannung auf den Wechsel zu erzeugen, in Erklärstücken darzulegen, was das neue Studio alles leisten kann und wieviel es gekostet hat: 23,8 Millionen Euro. In den Kommentarspalten meldete sich sofort Protest, der in seiner Reflexhaftigkeit fast schon erwartbar war, aber schwer nachvollziehbar ist.

Es ging vor Kurzem wieder los – das präsente Lernen an der Ruhr-Universität, unserer unansehnlich in Beton gehüllten, vielfältigen und großen Alma Mater. Die vorlesungsfreie Zeit am hinteren Ende des WiSe ward durch die ersten Veranstaltungen des SoSe abgelöst. Einem größeren Teil der Studierenden war die entspannte Zeit nach den letzten Hausarbeiten auch diesmal wieder zu kurz (und teils zu kalt) erschienen. Jedenfalls weicht die Kälte jetzt endgültig der Wärme und die räumliche Leere auf dem Campus weicht erneut dem Betrieb der Lehre. Erstis freuen sich auf das Abenteuer ihres Studiums und den Einstieg ins Studi-Leben. Beruflich eingespannte Langzeitstudierende blicken dagegen zielgerichtet den von ihnen noch benötigten Scheinen entgegen, für den Abschluss des Studi-Lebens. Eine höchst heterogene Masse wuselt durch das betonierte Areal, in dem positive Weichen für die Zukunft gestellt werden sollen.

Es ist Warnstreik. Schon zum dritten Mal innerhalb von zehn Tagen stehen sämtliche kameraüberwachten U35-Räder still, weil Verdis starker Arm es will.

Es heißt Breslau, nicht Wrocław! Die Stadt liegt auch in Niederschlesien und nicht in Dolny Śląsk. Das hat natürlich nichts mit germanisch-imperialen Restaurationsbestrebungen zu tun – das schreibe ich nur, weil die polnischen Namen ja niemand aussprechen kann.

(Fabian May) Was haben Bahnhöfe und Essensmüll-Vermeidung miteinander zu tun? Zunächst einmal gar nichts, außer dass beide interessante Anlässe zu sozialen Beobachtungen bieten. Für mich sind sie durch zwei Erlebnisse miteinander verknüpft.

Sotschi ist vorbei und die Verantwortlichen der deutschen Mannschaft wie auch der Medien sind irgendwie enttäuscht. Gut, Platz sechs in der Gesamtwertung ist ein schlechteres Abschneiden als 2010 in Vancouver, der aber auch irgendwie nicht gut genug war. Die nun zur Schau getragene Enttäuschung ist allerdings hausgemacht, hat man doch wieder einmal aus der Luft gegriffene Medaillenziele ausgegeben, um dem eigenen Geltungsbedürfnis Ausdruck zu verleihen. Gute Einzelleistungen, ob nun mit Podest oder Top-Ten-Platz honoriert, treten hinter einem Statistikfetischismus zurück, der seinesgleichen sucht.

Es gibt so Begriffe, die gehen einfach nicht mit der Konjunktur: Kritik, Mündigkeit oder Opposition sind solche Wörter. Da kommt dem Neoliberalen der Brechreiz. Gut, dass jetzt mit dem AfE-Turm in Frankfurt ein regelrechtes Reservoir eines solchen kritischen Geistes weggesprengt wurde. In dem 1972 gebauten Hochhaus der Goethe-Uni strebten die meisten StudentInnen das Lehramt an; Geistes- und Erziehungswissenschaften wurden hier studiert (oder gelebt).

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